Am 31. Oktober ist es wieder soweit: Finstere Gestalten, blutige Monster und kleine Hexen werden zu Halloween über die Straßen tanzen. Wer ihnen unerwartet in die Arme läuft, dem strömt ein kalter Schauer über den Rücken. Wenn der Schrecken nachlässt, sind wir deutlich erleichtert. Warum ist das so? Und warum empfinden wir Lust bei der Angst?

Halloween – warum wir uns gerne gruseln

Die Lust an der Angst

Ob Halloween oder der „Tatort“ am Sonntagabend, ein Psychothriller oder die Geisterbahn auf dem Rummelplatz, Menschen gruseln sich gern. Wenn im Dunkeln das Ungewisse lauert, krabbelt uns ein Schauer aus Angst und Lust über den Rücken. Auch wenn jeder anders mit der Angst umgeht, lieben wir alle das anschießende Wohlgefühl, wenn der Schreck nachlässt.

Psychologen nennen das “Angstlust“ – die Mischung aus Lust und Angst, Wonne und Furcht.
Diese entsteht, wenn wir im Grunde wissen, wie eine Geschichte ausgeht, wie beispielsweise beim Krimi. Der Spannungsbogen ist meist ähnlich: Zum Schluss siegt das Gute, der Held überlebt und der Bösewicht wird bestraft.

Wir wissen, dass wir bei einem Film in Sicherheit sind. Auch an Halloween ist uns klar, dass die Monster nur verkleidete Menschen sind. Und dennoch haben wir Lust, uns zu gruseln. Die Hormone schicken uns auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die Stresshormone Adrenalin und Kortisol lassen uns hellwach und aufmerksam sein. Die Belohnung erwartet uns auf dem Höhepunkt der Spannung: Endorphine werden ausgeschüttet und das lässt uns wohltuend entspannen und glücklich sein.

Sinn der Angst

Jeder hat Angst, sie ist ein lebenserhaltendes Grundgefühl und sichert unsere Art. Bei Bedrohung bereitet die Angst uns auf Flucht oder Angriff vor. Der Blutdruck steigt, das Herz rast und wir werden unruhig. Selbst bei Kindern kann man diese körperliche Reaktion beobachten.

Jetzt haben wir heute nicht mehr den Säbelzahntiger vor uns, vor dem wir weglaufen müssen; doch selbst im Alltag finden wir ängstigende oder stressauslösende Situationen. Denken Sie nur einmal daran, wie es ist, wenn Sie unter Termindruck ein Projekt abschließen müssen.
Angst und Furcht bedeuten wach und aufmerksam zu sein. Unser Körper bringt Höchstleistung auf.
Die Glückhormone belohnen uns dann, wenn der Stress abfällt.

In der Angst lernen wir zu vertrauen

Werfen wir einen Blick auf die „Horrormärchen“ der Gebrüder Grimm. Gut, anfänglich wurden diese für Erwachsene geschrieben, aber sie lehrten Generationen das Wissen über gute und böse Gestalten sowie den Umgang damit. Heute werden die Märchen ausschließlich Kindern vorgelesen. Über Geschichten lernt der Mensch jeden Alters, mit Gefahren umzugehen ohne sie selbst durchleben zu müssen. Wenn eine gruselige Szene eine positive Wandlung nimmt, bauen wir Vertrauen auf.
Dies ist die Voraussetzung, damit wir unsere Angstlust genießen und bei Halloween die Menschen hinter den Masken erkennen können.

Wer Furcht zu oft mit einem schlechten Ausgang erlebt hat und die positive Wandlung ausblieb, erlebt später häufiger Angst- und Panikattacken, und das ohne Lust dabei zu empfinden. Die Wonne entsteht nur in der Auflösung der Bedrohung.

Sucht nach Grusel

Überspannen sollte man den Bogen jedoch nicht, denn das Ausreizen von Furcht kann auch einen Suchtcharakter bekommen. Es kann sicherlich prickelnd sein, mit 140km/h auf dem Motorrad die Leitplanke in der Kurve zum Greifen nah zu spüren, doch war es bisher für die wenigsten ein erhebendes Gefühl, vom nächsten Baum gekratzt zu werden.

Fazit

Jeder Mensch hat Angst, jedoch besitzt jeder eine andere Toleranzgrenze sowie eine andere Art, mit Furcht umzugehen. Der eine geht nach einem Horrorstreifen entspannt ins Bett und schläft friedlich, ein anderer bleibt in der Angst gefangen und Halloween scheint kein Ende mehr zu nehmen.
Die eigenen Grenzen sollte jeder für sich kennen und respektieren; dann bleibt der Grusel auch ein Vergnügen.

Ich wünsche Ihnen wonneschaurige Halloween!

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München, Fuchs Fotografie München Pasing
Lektorat: Friederike Klingholz München

Kommentare (2)

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Würden Sie sagen, dass es ein Mindestalter gibt, ab dem es sinnvoll ist Gruselgeschichten zu lesen?
Manchmal habe ich bei kleinen Kindern das Gefühl, dass sie die positive Wendung noch nicht wirklich fassen und eher der furchterregende Aspekt...

Würden Sie sagen, dass es ein Mindestalter gibt, ab dem es sinnvoll ist Gruselgeschichten zu lesen?
Manchmal habe ich bei kleinen Kindern das Gefühl, dass sie die positive Wendung noch nicht wirklich fassen und eher der furchterregende Aspekt zurückbkeibt und auch im Nachhinein noch Angst bereitet.

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Hallo Akrah,
die Frage ist durchaus gerechtfertigt, denn erlebte, gehörte und gesehene Inhalte verarbeitet das Gehirn - je nach Alter - unterschiedlich. Bei Kindergeschichten ist steht in der Regel ein Mindestalter auf dem Buch oder der DVD....

Hallo Akrah,
die Frage ist durchaus gerechtfertigt, denn erlebte, gehörte und gesehene Inhalte verarbeitet das Gehirn - je nach Alter - unterschiedlich. Bei Kindergeschichten ist steht in der Regel ein Mindestalter auf dem Buch oder der DVD. Falls nicht, sollte im einzelnen Fall abgewogen werden.
Leichter zu verarbeiten sind zudem gelesene Geschichten, im Vergleich zu TV oder DVD, denn sie sind langsamer, die Bilder werden aus der eigenen Fantasie erzeugt (altersgerecht) und beim Lesen können die Vorleser auch mal Pause machen, um die Inhalte kindgerecht zu erklären.
Herzliche Grüße, Ulrike Fuchs

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Kommentar zuletzt bearbeitet am vor 2 Jahren von Ulrike Fuchs Ulrike Fuchs
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