Jeder hat ihn, hin und wieder, oder oft – Stress. Die einen finden ihn schlimm und andere meinen, er sei positiv. Gesundheitsexperten warnen vor den Folgen durch Stress. Coach-Experten hingegen erzählen, Stress sei notwendig. Was aber stimmt nun? Welche erstaunliche Stress-Mythen gibt es und welche Folgen haben sie wirklich?

Stress, Burnout

Stress - Irrtum Nr. 1: „Stress ist eine Modeerscheinung“

Höher, schneller, weiter und dazu permanent erreichbar. Die moderne Stressforschung ergab, dass besonders die ständige Erreichbarkeit und der Druck zur Leistung Stress erzeugt.

Stress ist aber kein Phänomen unserer modernen Leistungsgesellschaft, sondern ein uralter Überlebensinstinkt. Er erzeugt typische Angstsymptome wie einen gesteigerten Puls und Bluthochdruck, Anspannen der Muskeln, Schwitzen, innere Unruhe, Gereiztheit und Schlaflosigkeit. Der Körper schüttet bei Stress vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Alles steht bei Stress auf Angriff oder Flucht. Dieser Mechanismus ist eine direkte Reaktion auf eine bedrohliche Situation und soll uns bei Gefahr schützen. Nun gibt es aber keine Säbelzahntiger mehr, vor denen wir weglaufen müssen – und trotzdem empfinden wir Stress. Wie kann das sein? Der Stress-Mechanismus schützt uns noch heute.

So suchen wir nach körperlich schwerer Arbeit Pausen oder versuchen, Lärm zu meiden – all das erzeugt nämlich Stress und unser Mechanismus sagt: „Nicht gut für dich – besser meiden!“ Auch können geistige und psychische Belastungen wie Verlustangst, Existenzangst, Versagensangst, Prüfungsangst oder Termindruck sowie schwere körperliche Krankheiten Stresshormone freisetzen.

Stress - Irrtum Nr. 2: „Wenig Arbeit = wenig Stress“

„Wer zu viel Stress hat, muss einfach weniger arbeiten“, so sagen irrtümlicherweise viele Menschen. Dabei ist es nicht die Arbeit an sich, die den Stress ausmacht, sondern es sind die Ängste und Sorgen, die ein Mensch hat. Denn heutzutage arbeiten die Wenigsten noch schwer körperlich, sondern sitzen öfter am Computer oder arbeiten anderweitig geistig oder emotional anspruchsvoll.

So haben laut Statistik Hausfrauen den meisten Stress, denn sie organisieren ein erfolgreiches Familienunternehmen und fahren die Kinder von einem Termin zum nächsten, was ebenfalls Stress erzeugen kann. Aber auch nicht beschäftigte Menschen wie beispielsweise arbeitssuchende, kranke oder pensionierte Menschen können Stress erleben, der unter anderem durch Existenzängste, Angst um die Gesundheit oder die finanzielle Absicherung entsteht.

Sorgen und Ängste, die ein gesundes Maß überschreiten oder Aufgaben, die scheinbar nicht zu bewältigen sind, können Stress erzeugen.

Stress - Irrtum Nr. 3: „Nichtstun führt zur Erholung“

Eng im Zusammenhang mit dem Stress-Irrtum Nr. 2 „Wenig Arbeit = wenig Stress“ steht Fehleinschätzung, Nichtstun führe zu Erholung und Entspannung. Demnach brauche man nur einmal die Füße hochzulegen oder wieder richtig in den Urlaub zu fahren und das Problem mit dem Stress habe sich erledigt.

Das Problem fliegt aber oft im Handgepäck mit, sodass der Stress am Urlaubsziel alles andere als verflogen ist. Abschalten ist eben doch nicht so einfach wie bei einem Computer – ein Klick, Aus, Ruhe.

Unser Gehirn arbeitet an einem Problem, solange, bis es eine Lösung gibt. Wenn wir also mit einem Problem oder mit Sorgen die Füße hochlegen oder in den Urlaub fahren, kann das sogar erst einmal mehr Stress bedeuten als im Arbeitsmodus. Das Gehirn sagt: „Bewegung“, und der Körper antwortet darauf mit Bewegung – schließlich ist die Lösung des Problems noch nicht gefunden. Da hilft Bewegung wie Joggen oder Spazierengehen an der frischen Luft besser als Nichtstun, um die Gedanken zu sortieren und damit zu entspannen.

Stress - Irrtum Nr. 4: „Stress macht schlank“

„Bei Stress nimmt man ab“, sagen manche Menschen.

Typischerweise ist das Gegenteil der Fall, was am Stresshormon Cortisol liegt. Dieses körpereigene Hormon wird bei Stress vermehrt freigesetzt und macht schmerzunempfindlicher. Bei Stress sind u. a. die Cortisolwerte erhöht, und diese verändern den Stoffwechsel.

Das führt dazu, dass vermehrt Fett eingelagert wird, vor allem an Bauch und Taille. Kommen dann noch Stress- oder Frustessen dazu, steigert sich zusätzlich das Körpergewicht und kann bis zum starken Übergewicht (Adipositas) führen. Denn gestresste Menschen greifen vermehrt zu kohlenhydratreichen und fettigen Nahrungsmitteln. Gefährlich ist es auch, „nebenher“ zu essen, um Zeit zu sparen. Das verringert das Bewusstsein für die verzehrten Speisen und damit das Wahrnehmen eines gesunden Sättigungsgefühls.

Stress - Irrtum Nr. 5: „Kinder haben keinen Stress“

Laut einer Stress-Studie der Universität Bielefeld leiden jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche an Stress. Dagegen glauben neun von zehn Eltern, dass sie ihr Kind nicht überfordern und 40 % meinen, dass sie ihr Kind nicht ausreichend fördern. Als Ursache für den Stress bei Kindern zählen fehlender Freiraum für die Selbstbestimmung des Kindes und zu hohe Erwartungen der Eltern.

Auch wenn Eltern nur das Beste für das Kind wollen und sich um die Entwicklung des Kindes sorgen; manchmal ist weniger mehr. Bei der Entwicklung des Kindes ist ein Feingefühl dafür wichtig, was das Kind wirklich braucht. Wenn Eltern selbst enorm unter gesellschaftlichem Druck stehen, überträgt sich das auch auf das Kind. Es erlebt auch Stress, denn es möchte gefallen und wünscht sich, dass die Eltern zufrieden mit ihm sind – so, wie es eben von Natur aus ist und nicht, wie es die Gesellschaft braucht.

Typische Stress-Symptome bei Kindern:

  • Depressive Verstimmungen, unerklärbare Traurigkeit
  • schlechte Laune
  • Aggressives Verhalten, nörgeln
  • Gefühl, ein Versager zu sein
  • Angst, zu enttäuschen
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit oder auch gesteigerter Appetit
  • Müdigkeit, Einschlafschwierigkeiten, Schlafprobleme
  • Nervosität, Unkonzentriertheit, Unruhe
  • Schulprobleme, Lernschwierigkeiten

Stress - Irrtum Nr. 6: „Ältere Menschen sind schneller gestresst“

Ein Stress-Irrtum, der sich noch immer hält: Ältere Menschen seien schneller gestresst. Das liegt wohl daran, dass Stress körperlich wahrzunehmen ist und wir im zunehmenden Alter stärker auf diese körperlichen Folgen von Stress reagieren. Reifere Menschen sind aber nicht zwangsläufig schneller gestresst als jüngere Menschen.

Statistisch haben 35- bis 45-Jährige den höchsten Anteil an Stressfolgeerkranken, denn die stehen unter steigendem Leistungsdruck im Beruf und haben zunehmend unsichere Arbeitsverhältnisse.

Stress - Irrtum Nr. 7: „Viel Stress = leistungsstark“

Dass Stress leistungsstärker macht, ist nur die halbe Wahrheit. In der Tat ist es so, dass uns Stress kurzfristig mobilisiert. Der Puls steigt und wir werden wacher. Schließlich soll uns ja die Angst-Stress-Reaktion auf Flucht oder Angriff vorbereiten. Das ist aber nur eine kurzfristige Reaktion auf Stress. Bleibt der Stress anhaltend oder ist der Stress zu groß, entsteht genau das Gegenteil. Der Körper möchte sich nach Stress erholen und setzt Hormone frei, die dämpfen und müde machen. Damit wird die Regenerationsphase eingeleitet.

Mit anderen Worten: Ist der Stress zu groß oder hält er zu lange an, werden wir müde, fühlen uns ausgebrannt, schlapp und alles andere als leistungsstark.

Zudem steigt das Unfallrisiko, denn unter anhaltendem Stress werden wir unachtsamer und leichtsinniger. Zuletzt sei noch erwähnt, dass Stress das Immunsystem sehr belastet und wir anfälliger für Krankheiten werden. Und wer arbeitet schon mit einer Erkältung und einem Brummschädel besonders leistungsstark und konzentriert?

Stress - Irrtum Nr. 8: „Wer Erfolg haben will, muss Stress aushalten“

„Dem fleißigen Hamster schadet der Winter nicht“, „Ohne Fleiß kein Preis“ oder „Sich regen bringt Segen“ – diese und ähnliche Sprichwörter drücken das Gleiche aus: Stress ist notwendig, um erfolgreich zu sein. Zum Leben mit Erfolg scheint Stress einfach dazuzugehören. Und wer Erfolg haben will, muss Stress aushalten. Für Erfolg dürfen dann schon einmal die eigenen Bedürfnisse und auch die Gesundheit vernachlässigt werden.

Traurig, aber wahr: Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir nach Leistung gemessen werden. Wer da auf sich, seine Bedürfnisse, sein Körpergefühl sowie seine Gesundheit achtet und innehält sowie entspannt, gilt in dieser Zeit als nicht leistungsstark für seine Mitmenschen. Entspannung soll ja schon sein, aber nur dazu dienen, um noch leistungsfähiger zu werden. Wer gut funktioniert, bekommt gesellschaftliche Treueherzchen im Sinne von „Du darfst unter uns bleiben“. Mit anderen Worten: Wir sollen uns viel anstrengen, um dabei bleiben zu können. Da es aber für Seele und Gesundheit keinen Gebrauchtwagenhändler gibt, müssen wir uns auch um uns selbst sorgen. Was auch immer Erfolg für Sie bedeuten mag – langfristig gesehen, benötigen wir zum Erfolg nicht nur einen gesunden Körper, sondern auch seelisches Wohlbefinden. Oder wie es J. W. Goethe ausdrückte:

„Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

Stress - Irrtum Nr. 9: „Männer und Frauen reagieren gleich auf Stress“

Körperlich reagieren alle Menschen gleich auf Stress mit erhöhtem Puls, innerer Unruhe und Anspannung, nur empfindet jeder Mensch nicht jede Situation als gleich stressig. Zudem unterscheiden sich die Folgen von Stress je nach Geschlecht. Während bei Männern bei erhöhtem Stress vermehrt Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt zunehmen, werden Frauen dagegen anfälliger für psychische Erkrankungen wie beispielsweise für Depressionen oder Hypochondrie (übersteigerte Angst, krank zu werden oder krank zu sein).

Zudem äußern Männer ihr Empfinden anders als Frauen. Sowohl Stress als auch eine Männerdepression sind daher schwerer erkennbar. Lediglich die körperlichen Symptome sind zu erkennen. Selbstzweifel, Traurigkeit und Ängste verschweigen Männer oftmals. Frauen dagegen sprechen meist über ihre Ängste und den Stress, der sie bewegt.

Stress - Irrtum Nr. 10: „Stress ist immer schädlich“ – positiver Stress vs. negativer Stress

Stress ist zunächst ein gesunder Selbsterhaltungsmechanismus, der uns bei Gefahr das Überleben sichern soll. Nun empfinden wir aber Stress nicht immer als schlecht. Zum Beispiel ist ein Paar in Hochzeitsvorbereitung ganz bestimmt auch gestresst, aber es wird diesen Stress gern auf sich nehmen. Diesen Stress nennt man „positiven“ Stress, auch Eustress. Dagegen wird jener Stress, der belastend ist, als „negativer“ Stress oder Distress bezeichnet.

Aber Vorsicht! Bevor Sie nun glauben, dass Sie sich mit Eustress übernehmen können, weil es ja positiver Stress ist – auch anhaltender Eustress wird vom Körper als Distress, also krankmachender Stress, empfunden. Denn ob Sie den Umstand Ihres Stresses als positiv oder negativ sehen, ist dem Körper egal. Der Körper fordert, so oder so: Nach Anspannung und Stress braucht es eine Pause und Zeit zur Erholung.

Positiver Stress vs. negativer Stress – Welcher Stress schadet wirklich?

Stress - Irrtum Nr. 11: „Stress lässt sich vermeiden“

Mit „Mehr Gelassenheit“, „Endlich loslassen“ oder „Nie mehr Stress“ versprechen viele Ratgeberbücher ein ruhiges, entspanntes und glückliches Leben. Doch Stress lässt sich kaum vermeiden, denn wir brauchen ihn, um in bestimmten Situationen aufmerksamer zu sein. Es ist natürlich, dass unser Stress- und Angstempfinden stärker ist als unsere Glücksgefühle sind.

Stellen Sie sich eine Steinzeitfamilie vor, die glücklich beisammen sitzt und Steinbrett-Monopoly spielt. Die Stimmung ist ausgelassen und heiter. Angenommen, nun würde ein Säbelzahntiger auftauchen, der sich diese Steinzeitfamilie als „Abendbrot“ ausgewählt hat. Wenn nun das Lust- und Spaßempfinden, was Glücksgefühle erzeugt, der Angst- und Stressreaktion übergeordnet wäre, würde die Steinzeitfamilie weiter spielen und den Abend genießen, bis der Säbelzahntiger sie erfasst. Es muss also, nicht nur bei der Steinzeitfamilie, das Stress- und Angstempfinden stärker sein, um die mögliche Gefahr zu wittern und darauf blitzschnell zu reagieren. Bei dem Spieleabend der Steinzeitfamilie würde das bedeuten: Steinbrettspiel sofort stehenlassen und schnell weglaufen.

Wir empfinden immer dann Stress, wenn uns etwas wichtig erscheint. Das gilt nicht nur für unser eigenes Leben und das unserer Liebsten, sondern alles, was uns persönlich wichtig erscheint und was uns genommen werden kann, und sei es „nur“, dass der Lieblingsfußballverein droht, in die nächste Liga abzusteigen. Was uns nicht bedeutend ist, kann uns kaum stressen. Somit ist es Unsinn, Gelassenheit und Stressfreiheit für etwas anzustreben, was uns am Herzen liegt, in welcher Art auch immer.

Stress - Irrtum Nr. 12: „Entspannung hilft immer gegen Stress“

Bei der Arbeit ist Projektabgabe, die Eltern kommen am Wochenende zu Besuch und es muss noch aufgeräumt werden, dazu Streit mit der Freundin – wie bereits bei „Stress - Irrtum Nr. 11“ beschrieben: Stress zeigt an, was uns wichtig erscheint. Aber Entspannung hilft doch, oder? Jein, denn Entspannung hilft nur, wenn wir uns auf die Entspannung einlassen können.

Es gibt Menschen, die sich im Erlernen von Entspannungsverfahren stressen. Da wird montags der Relax-Kurs besucht, dienstags kommt Yoga dran, mittwochs geht´s zum Qi Gong, donnerstags wird meditiert, freitags ist der Sauna-Abend … Bei keiner dieser Entspannungseinheiten können sie sich wirklich einlassen, weil sie vom Stress noch zu sehr unter Strom stehen. Entspannung geht nicht auf Knopfdruck, sondern braucht Zeit.
Zeit zum Herunterkommen.
Zeit, sich einzulassen.
Zeit, der Entspannung nachspüren zu können.
Das hat folgenden Grund: Der Körper braucht Zeit, um die Stresshormone wieder abbauen zu können. Wer noch im Stress ist, wird Unruhe und Anspannung verspüren, sich zudem womöglich noch ärgern, dass er nicht einfach loslassen und entspannen kann.

Wenn der Geist vom Stress noch in Bewegung ist, hilft manchmal auch einfach nur Bewegung. Es muss nicht gleich Hochleistungssport sein, sondern je nach körperlicher Fitness reichen eine Runde joggen oder ein Spaziergang. Das baut die Stresshormone ab und lässt langsam entspannen.

Stress - Irrtum Nr. 13: „Nur sensible Menschen leiden an Stress“

Die körperliche Stressreaktion ist grundsätzlich bei allen gleich (s. „Stress - Irrtum Nr. 9“). Allerdings äußert sich Stress bei jedem Menschen verschieden, denn jeder Mensch drückt sich anders aus. Während die einen ganz offen über ihr Stressempfinden reden, verschweigen andere ihren Stress. Das liegt an der unterschiedlichen Art, wie sie gelernt haben, mit Stress umzugehen. Mittlerweile ist erwiesen, dass es erleichtert, seinen Stress und das dazugehörige Empfinden auszudrücken. Gespräche können erleichtern und das Gefühl erzeugen, verstanden zu werden, die unterschiedlichen Gefühle zu ordnen und eine Lösung für ein Problem zu finden. Feinfühlige und sensible Menschen wissen um diese Erleichterung, weil sie ein Gefühl dafür entwickelt haben, was ihnen guttut und hilft. Es ist daher keine Frage, wie sich Stress äußert, sondern lediglich, wie offen ein Mensch mit seinem Stress umgeht. Sensible Menschen sind meist offener im Umgang mit ihren Emotionen.

Es ist eine falsche Annahme, dass derjenige, der keinen Stress nach außen zeigt, keinen Stress hätte. Ganz im Gegenteil: Die neuesten Studien ergaben, dass Menschen, die ihren Stress versuchen zu verbergen, körperlich länger anhaltende Stress-Symptome wie Bluthochdruck, gesteigerten Puls und muskuläre Anspannung aufweisen. Der Fels in der Brandung bei Stress kann unter Umständen nur eine äußerliche Schutzfunktion sein, um stählern und unverwundbar zu wirken. Es sagt aber wenig über die Sensibilität eines Menschen aus.

Stress - Irrtum Nr. 14: „Stress ist nicht so schlimm wie es immer heißt“

Stress und Burnout sind in aller Munde. Wenn von Stress und dessen Folgen gesprochen wird, bekommen wir gern den Eindruck, das Thema sei aufgebauscht oder übertrieben. Manchmal aber werden die Folgen und Folgeerkrankungen durch Stress, so genannte Stressfolgeerkrankungen, ebenso untertrieben und geleugnet.

Besonders Menschen, die im Beruf besonders leistungsstark sein müssen, unterschätzen die Folgen, die durch Stress entstehen können. Spätestens, wenn die Erschöpfungszustände so quälend geworden sind, dass gar nichts mehr geht und diese gestressten Menschen eine Zwangspause einlegen müssen, haben sie Zeit, um nachzudenken.

Dass über Stress überhaupt geschrieben und gesprochen wird, dient der Aufklärung und nicht der Panikmache. Es soll sensibilisieren für ein ernst zu nehmendes Thema: Wie wirkt Stress? Und was macht er mit uns, wenn wir nicht rechtzeitig reagieren?

Galileo Video - 15 Mythen in 15 Minuten: Stress

Stress - Irrtum Nr. 15: „Stress entsteht durch eine falsche Denkweise“

Zitate wie „Es sind nicht die Dinge, die uns stören; es ist die Art, wie wir sie betrachten“ (Epikur) werden oft umgewandelt verstanden im Sinne von: „Denk nur positiv, dann ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann hast du nicht gut genug gedacht.“ Kurz gesagt, das ist völliger Quatsch!

Denn es hat seinen Grund, dass uns unser Körper und Empfinden anzeigt, dass etwas in der Schieflage ist. Ähnlich wie bei der Tankanzeige des Autos, die nach unten sinkt, wenn zu wenig Benzin im Tank ist, zeigen Körper und Gefühl durch die Stressreaktion an, wenn etwas zu wenig (z. B. Ruhe) oder zu viel (z. B. Stress) ist. Der Körper hat eine andere Tankanzeige als das Auto, er „blinkt“ mit Verspannung, Migräne, Erschöpfung, Müdigkeit oder Schlaflosigkeit. Nun, diese Tankanzeige kann man durch die „richtige“ Denkweise ignorieren, aber der Stress verschwindet deshalb nicht; weil die Ursache noch dieselbe ist. Viel wichtiger ist hier, die Stresssymptome nicht anders zu denken oder anders zu sehen, sondern sie ernst zu nehmen und sich auf Ursachenforschung zu begeben. Denn wenn klar ist, was die Tankanzeige aufleuchten lässt, ist klar, was zu tun ist – entweder regelmäßiger tanken oder den Akku im Vorfeld etwas mehr schonen.

Stress - Irrtum Nr. 16: „Ich spüre, wann es für mich genug Stress ist“

Unbegrenzt Leistung erbringen? Das ist ein modernes Märchen. Bei Stress wird vermehrt Cortisol gebildet, was eine betäubende und schmerzstillende Wirkung hat. Das ist die Gefahr an der Stress-Spirale, denn im Stress verlieren wir das Gefühl für uns und unseren Körper.

Manchmal aber spüren wir noch rechtzeitig, wann es genug Stress ist. Es reicht aber nicht, wenn wir die Stresssymptome zwar wahrnehmen, aber nicht ernst nehmen.

Richtig gefährlich wird es dann, wenn die ersten Stresssymptome mit Alkohol oder Schlaftabletten betäubt werden. Diese Art der Selbstmedikation kann fatale Folgen wie Alkoholabhängigkeit oder Tablettensucht nach sich ziehen.

Stress - Irrtum Nr. 17: „Stress kann mir nichts anhaben“

„Stress? Ich? Mir macht Stress nichts aus!“ Auch wenn der Körper (noch) gesund ist und funktioniert, Stress schleicht sich langsam ein. „Stress kann mir nichts anhaben“ ist dann die falsche Annahme, weil sich Menschen bereits an die dauerhafte Anspannung gewöhnt haben. Verspannt zu sein und etwas gereizt ist Alltag und gehört dazu. Aber bloß, weil der Stress zur Gewohnheit geworden ist, bedeutet es noch lange nicht, dass wir immun gegen ihn seien. Im Gegenteil, die dauerhafte Belastung kann langfristig die Lebensqualität mindern, z. B. dann, wenn Schlafstörungen, Ängste, Verspannungen, Migräne, Tinnitus oder Burnout dazu kommen.

Stress - Irrtum Nr. 18: „Zeit für Entspannung und Erholung – purer Luxus!“

Der wohl gefährlichste Stress-Irrtum, dem viele Menschen erliegen, ist, keine Zeit zu haben.
Keine Zeit für Entspannung.
Keine Zeit für Bewegung.
Keine Zeit für das seelische Wohlbefinden.

Die Wahrheit ist: Der Tag hat 24 Stunden und jede Woche 7 Tage. Jeder Mensch hat gleich viel Zeit. Zeit hat man nicht, sondern Zeit muss man sich nehmen. Das gilt für jeden von uns. Wenn also scheinbar keine Zeit ist für die Gesundheit, liegt es wohl eher daran, dass die Erwartungen zu hoch und die Aufgaben zu viele sind. Mit anderen Worten, diese Aufgaben sind es, die uns dann wichtiger erscheinen als darauf, auf Erholung zu achten. „Ich habe keine Zeit“ meint nichts anderes als „Es ist mir nicht wichtig genug.“ Wie wichtig aber ein funktionierender und gesunder Körper und Geist sind, lernen Menschen erst schätzen, wenn sie es vermissen.

Umgang mit Stress

Achten Sie auf Ihren Körper und Ihre Gesundheit, denn Sie brauchen diese – gehen Sie sorgsam mit sich um! Sie sind kein Opfer von Stress. Wenn Sie sich derzeit gestresst fühlen, liegt das daran, dass Sie den Stress hinnehmen und nichts an der Ursache ändern. Manchmal liegt das daran, dass die Ursache nicht bekannt oder scheinbar nicht zu bewältigen ist. Die Frage lautet daher:
„Was kann ich tun, damit es mir besser geht?“

Falls Sie bei der Beantwortung dieser Frage oder im Umgang mit Stress Unterstützung wünschen, helfe ich Ihnen gern weiter. Nehmen Sie dazu einfach Kontakt mit mir auf. Ich freue mich, Sie kennenzulernen.

Ulrike Fuchs Geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach, Entspannungs- & Persönlichkeitstrainerin Martinsried/Planegg, München


Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, Coach, Entspannungs- & Persönlichkeitstrainerin
Martinsried/Planegg, München

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Foto: Christian Kasper Fotograf München, Pixabay
Lektorat: 
Corinna Luerweg Hamburg

  • Rinoa

    Danke für diesen Artikel! Es ist unfassbar wie selbstverständlich wir den Stress durch Überbelastung schon in unser Leben aufgenommen haben. Die Leistungsgesellschaft treibt die Menschen in den Wahnsinn, dabei produzieren wir eh viel zu viel und schmeißen 60% von allem weg. Unfassbar. Ich bin selbst Mutter und berufstätig und regelmäßig völlig überlastet. Ich habe Gott sei Dank Rosenwurz für mich entdeckt, dass mir auf natürliche Weise hilft. Normal kann es trotzdem nicht sein, sich regelmäßig vor zu viel Stress schützen zu müssen.

    Liebe Grüße
    Rinoa

    von Vienna, Austria

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