Weihnachten ist für viele das Fest der Liebe und Ruhe. Doch während die einen sich dem Einkaufsstress hingeben oder freudig Plätzchen backen, Weihnachtslieder mitsingen und das Heim weihnachtlich dekorieren, fürchten andere sich vor Weihnachten. Denn für einige Menschen ist Weihnachten verbunden mit Streit und Stress. Manche von ihnen ziehen es deshalb vor, die Festtage besser allein zu verbringen. Aber auch Singles können Weihnachten einsam sein. Und manchmal wird man durch äußere Umstände wie beispielsweise den Verlust eines geliebten Menschen gezwungen, das Fest der Liebe allein zu feiern.

Weihnachten einsam, Depression, depressivWenn Weihnachten einsam ist

Sich trotz Familie einsam fühlen

Die Geschwister streiten sich, der Partner ist beleidigt oder schweigt einfach, und selbst ist man von den weihnachtlichen Vorbereitungen gestresst. Schließlich sollen sich alle wohlfühlen. Mit der Erwartung auf ein harmonisches Fest steigen Druck und innere Anspannung und wir erleben Stress pur statt harmonische Weihnachten. Solange die regen Vorbereitungen anhalten, ist die Ablenkung noch da. Aber sobald alle gegessen haben und die Geschenke verteilt sind, kehrt die Ruhe ein. Und plötzlich tauchen Fragen auf wie „Was mache ich hier eigentlich?“ oder „Will mich hier jemand überhaupt?“

Die Kinder sind mit den Geschenken beschäftigt, was ja irgendwie auch schön ist. Eltern oder Partner sitzen vielleicht nur tatenlos und schweigend herum. Aber wenigstens fangen sie nicht an zu streiten. Es scheint seltsam: Den ganzen Advent hindurch haben alle auf diesen Tag hingearbeitet und nun haben sie sich nichts zu sagen. Wie kann das passieren?

Familie und Beziehungen entstehen nicht, weil wir viele gemeinsame Rituale teilen oder viel füreinander tun. Sie entstehen, indem wir uns austauschen und einander versuchen zu verstehen. Erhalten wir das Verständnis unserer liebsten Menschen nicht, fühlen wir uns in der Regel nicht nur nicht verstanden, sondern früher oder später auch einsam. Die Einsamkeit zeigt, dass wir den Konflikt, nämlich nicht verstanden zu werden, nicht ansprechen können oder wollen, um Streit zu vermeiden. Wer will zu Weihnachten schon gern streiten? Die Einsamkeit ist – mit anderen Worten – ein Schutz vor größeren Auseinandersetzungen.

Gerade zum Jahreswechsel, wenn wir wieder mehr Zeit miteinander verbringen, stellen wir sehr genau fest, ob uns unsere Mitmenschen wirklich ernst nehmen und verstehen oder nicht. Und es schmerzt, wenn wir feststellen müssen, dass wir doch nicht die Anerkennung ernten, die wir uns still erhofft hatten. Das ist traurig. Aber anstatt diese Traurigkeit zuzulassen und anzusprechen, wird weiter geschwiegen – bis schlimmsten Falles nach den Einsamkeitsgefühlen ein Gefühl der Gefühllosigkeit einkehrt, die Depression.

Im leeren Haus von allen verlassen

Viele denken bei dem Wort Weihnachten an Gemütlichkeit und Vorfreude. Die meisten Menschen erlebten in der Kindheit Rituale, die oftmals sehr schön waren. Dazu zählen die Geschenke unterm Weihnachtsbaum, gemeinsames Singen von Weihnachtsliedern und leckeres Essen.

Doch einige Menschen haben im Erwachsenenalter keinen Kontakt mehr zu den Geschwistern oder Eltern. Zum Teil hat man sich zerstritten, zum Teil sind sie bereits gestorben. Oder die eigenen Kinder sind aus dem Haus. So oder so, es ist da niemand, mit dem man diese Rituale teilen könnte. Keine kindliche Unbeschwertheit mehr, kein vertrauter Duft in der Luft, kein Weihnachtsbaum machen uns diese Zeit heimelig. Das Haus ist leer.

An dieser Stelle treten oft Gedanken nach dem Sinn des Lebens auf. Wozu soll das alles noch gut sein? Die Einsamkeit kann depressive Symptome erzeugen.

Weihnachten mit der Patchworkfamilie

Und was ist mit jenen, die mehrere Familien haben und die in Patchworkfamilien leben? Anfänglich glaubt das Paar, das sich neu gefunden hat, oftmals, dass es nun eine große Familie habe, die Weihnachten gemeinsam feiern kann. Die Realität schaut dann doch etwas anders aus, denn oft sind die Familien untereinander so zerstritten, dass die ehemaligen Partner die neuen nicht kennenlernen wollen oder umgekehrt. Deshalb verbringen sie Weihnachten getrennt und ohne die gemeinsame, vermeintliche Bilderbuchfamilie wird es nun ein ziemlich einsames Weihnachtsfest. Auch das Wissen, dass die bessere Hälfte mit den Kindern den Heiligabend verbringt und man sich an den anderen Weihnachtsfeiertagen dann schon sehen wird: Es ist und bleibt am Heiligabend sehr zugig so allein.

Angst vor der Einsamkeit in der Weihnachtszeit

An dieser Stelle können wir uns fragen, ob es eine Weihnachtseinsamkeit gibt oder nicht. Viel hilfreicher wäre es aber, erst einmal zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit zu unterscheiden. Im Alleinsein finden wir Ruhe, tanken neue Kraft und können die Zeit mit uns allein genießen. Die Einsamkeit ist dagegen ein Gefühl, das eher schmerzlich als wohltuend ist. Deshalb fürchten sich so viele Menschen vor der Einsamkeit – besonders in der Weihnachtszeit. An den Tagen der ruhigen und besinnlichen Zeit werden Einsamkeitsgefühle plötzlich wieder deutlich spürbar, die im Lärm des Alltags und Vorweihnachtsstresses oft übertönt werden können.

Dazu kommt, dass wir uns nach der bekannten Nestwärme sehnen, die wir als Kind empfanden. Und manche Menschen sehnen sich nach jener Geborgenheit, die ihnen immer fehlte. Menschen suchen Nähe, Anerkennung, Liebe, Zuwendung, ein Zuhause – und wer allein ist, spürt dieses Grundbedürfnis unter Umständen in Form von Einsamkeit. Sie ist im Grunde eine Kombination aus unerfüllter Sehnsucht nach Geborgenheit und der Angst davor, für dieses Bedürfnis abgelehnt zu werden. In jenem Moment, wo ein Mensch mit Einsamkeitsgefühlen aus seinem Schneckenhäuschen heraustritt und sich sein Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung zugesteht, in jenem Moment durchbricht er die Mauern der Einsamkeit; ob nun zu Weihnachten oder zu einer anderen Jahreszeit.

Lichtmangel – nur die halbe Wahrheit

Wie der Lichtmangel wirkt

Wer sich allerdings um Weihnachten und dem Jahreswechsel herum grundlos mies gelaunt fühlt, antriebslos, ständig müde ist und Heißhunger auf Süßes hat, könnte auch unter einer saisonalen Depression leiden. Die Ursache, warum besonders in den Wintermonaten Menschen vermehrt an Symptomen einer Depression leiden, können unterschiedlich sein und sind noch nicht ganz geklärt. Derzeit geht man davon aus, dass der Mangel an Tageslicht auf die Psyche schlägt und die Symptome eine Depression erzeugen. In diesem Falle kann gegen die depressive Niedergeschlagenheit auch eine Lichttherapie helfen. Der Winterblues verbessert sich in der Regel, sobald die kurzen Tage wieder länger werden. Falls Winterblues oder saisonale Depression länger anhalten sollten, suchen Sie bitte professionelle Hilfe auf. Sowohl der Winterblues, Weihnachtsblues als auch saisonale Depressionen sollten ernst genommen werden, um die Symptome schneller wieder zu lindern.

Was verschwiegen wird – Werbung und Weihnachten

Weihnachten ist eine Zeit des Rückzugs und der Besinnung auf das Wesentliche, in der wir in Ruhe nachdenken können. Das Jahresende steht vor der Tür und wir räumen kräftig mit den Altlasten des vergangenen Jahres auf. Vielleicht verabschieden wir die schönen Zeiten und die Dinge, die uns eben wichtig waren oder sind, mit etwas Wehmut und Melancholie.

Und plötzlich schleicht sich ein Werbegedanke in das Gedankengut. Er zeigt uns eine Welt, die mit der Realität wenig gemeinsam hat. Harmonie und strahlende Gesichter überall, wohin wir sehen. Es scheint, als würden wir neu geimpft mit Dingen, die uns wichtig sein sollen. Ja, das hat Werbung so an sich, schließlich sollen die Produkte an die Frau und an den Mann gebracht werden. Aber mit dem Fest der Liebe hat das, was wir in der Werbung sehen, wenig zu tun. Trotzdem fallen viele Menschen auf diesen Trugschluss herein, dass man Liebe kaufen könne.
Stattdessen erzeugen die Werbebotschaften eine Menge Diskrepanz zwischen dem Scheinbild, das wir von Weihnachten vorgegaukelt bekommen und der Realität, in der es plötzlich auch mal Streit oder einen brennenden Tannenbaum geben kann.

Immer dann, wenn Realität und Traumwelt, ob nun aus Kindheit oder Fernsehen, aufeinanderprallen und sich stark unterscheiden, beginnen wir, zu zweifeln und uns übermäßig streng selbst ins Gericht zu nehmen. Bei diesem Vergleich können wir nur verlieren, denn diese Traumbilder sind nur romantisch und damit unerreichbar. Auch das kann zusätzliche Einsamkeitsgefühle und auch Versagensgefühle erzeugen.

Schauen Sie deshalb besser genau hin, ob es das Weihnachtsfest ist, das einem Traum entspricht oder wirklich Ihr eigenes Fest ist, mit all den liebevollen Eigenheiten, die Sie als Mensch mitbringen können. Das nimmt den Druck, denn besonders zu Weihnachten dürfen Sie sich selbst das Geschenk machen, etwas mehr auf sich selbst zu achten, indem Sie das tun, was Ihnen auch wirklich guttut. Ich wünsche Ihnen und den Menschen, die Ihnen wichtig sind, eine friedvolle und schöne Weihnachtszeit!

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München, Pixabay
Lektorat: 
Corinna Luerweg Hamburg

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