Neulich beim Einkauf beobachtete ich einen jungen Vater mit seinem 4-jährigen Sohn. Die beiden schlenderten durch die Obstabteilung und der Junior durfte begeistert mithelfen. Seine Aufgabe war es, die grünen Weintrauben zu holen.
Dabei passierte es, das Malheur, der aufgeweckte Kleine ließ versehentlich beim Gehen die Trauben fallen und diese tanzten nun vergnügt über den Supermarktfußboden.

„Da musst du aufpassen“, stöhnte der Vater sofort.
Aber das aufgeweckte Kerlchen legte den Kopf schief in den Nacken, schaute mit großen Augen und gab die für dieses Alter einzig zulässige Antwort: „Warum?“

Es war zum Schmunzeln, der Vater jedoch erklärte geduldig weiter: „Nun, weil die Trauben auf dem Boden schmutzig werden und wir sie dann nicht mehr essen können.“
„Aber wir können sie doch waschen!?“, stellte der kleine Pragmatiker fest.

Mit Ekel lebt es sich gesünder

Ekelgefühl kennt jeder

Ja, Trauben kann man waschen, wenn sie heruntergefallen sind. Doch wollen wir das, ist das nicht eklig?

Mal ehrlich, wie geht es Ihnen bei dieser Vorstellung? Würden Sie Trauben essen, die zwar gewaschen, aber eben noch vom Supermarktboden geküsst wurden? Wie viel Dreck dort wohl liegt? Ist das appetitlich?

Wenn Sie nun ein Gefühl von Ekel empfinden oder angewidert sind, ist dies sehr natürlich und ganz normal, denn Ekel kennt jeder Mensch. Er schützt vor möglichen Infektionskrankheiten, das ergab die Studie der Mediziner der London School of Hygiene and Tropical Medicine, die in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society: Biology Letters“ veröffentlicht wurde.
In dieser Studie mit dem Titel „Was ist ekelerregend“ wurden mehr als 40.000 Menschen global mithilfe einer BBC-Webseite befragt. Dabei mussten die Teilnehmer unterschiedliche „Ekligkeitsgrade“ angeben, die sie beim Anblick verschiedener Fotos empfanden.

98 Prozent der Befragten stuften Bilder von Ausscheidungsprodukten wie Kot, Körperflüssigkeiten oder Wunden, aber auch Verderbendes und Verfaultes besonders ekelerregend ein.
„Vor allem in diesen Dingen stecken Gefahren für die Gesundheit“, erklärt die Studienleiterin Valerie Curtis.

Abstand halten von „Keimschleudern“

Auch wenn der Tritt in Hundekot Glück bringen soll, verursacht er erst einmal einen Würgereiz. Und das ist auch gut so, denn die biologische und angeborene Programmierung sorgt für den Sicherheitsabstand der „Keimschleudern“, damit der Kontakt mit diesen Substanzen vermieden wird. Deshalb weichen wir nicht nur beim Anblick von ekligen Dingen zurück, sondern auch bei üblen Gerüchen oder Geräuschen.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass Ekelgefühle erlernt werden, doch Curtis erklärt: „Wir haben eine angeborene Neigung, Kot ekelhaft zu empfinden. Umgekehrt kann man einem Kind aber keinen Ekel vor Bonbons oder Orangen beibringen.“
Ekel ist also genetisch verankert, kann aber durch Erfahrung im Laufe des Lebens gesteigert werden.

Ganz schön schlau, das Immunsystem, dass es uns mit dem Gefühl von Ekel deutlich alarmiert, wenn Bakterien, Viren und andere Parasiten uns gefährlich werden könnten, denn oft sind diese Krankheitserreger mit dem bloßen Auge nicht sichtbar.

Typisch Ekel – das passiert im Körper

Es ist kein Zufall, dass der Gesichtsausdruck für Ekel in allen Kulturen gleich ist. Denn das verzogene Gesicht drückt ein Gefühl aus, das jeder Mensch kennt und versteht – auch ohne Worte.
Charles Darwin sah darin eine kommunikative Geste – ein Frühwarnsystem, was auch anderen zeigt: „Achtung, mögliche Gefahr!“

Bei Ekel werden die Augen zu Schlitzen und die Nasenlöcher verkleinern sich, um das Eindringen von potenziell gefährlichen Stoffen in den Körper zu verhindern und damit möglichen Schaden zu vermeiden. Besonders die empfindlichen Schleimhäute werden dabei zuerst geschützt, aber auch der Körper drückt Abneigung aus und weicht bei Ekel zurück.

Steigert sich das Ekelgefühl, wird ein Würge- und Brechreflex ausgelöst, was verdächtige Nahrung auf dem schnellsten Weg nach draußen befördern soll.

Neben Übelkeit kann Ekel auch Schweißausbrüche sowie das Absinken des Blutdrucks auslösen und sich bis zur Ohnmacht steigern.

Das Stresshormon Cortisol wird bei Ekelgefühl verstärkt ausgeschüttet, was nachweislich das Immunsystem schwächt. Das bekommen besonders ekelempfindliche Menschen deutlich zu spüren, indem sie beispielsweise Herpes bekommen.

Auch Lügen können eklig sein

Ekelhaft können nicht nur Bilder, Geräusche oder Gerüche sein, sondern auch unmoralisches Verhalten. Im wahrsten Sinne des Wortes schmecken Lügen nicht, denn offenbar werden dann dieselben Hirnareale genutzt wie beim Anblick verdorbener Nahrung oder anderen ekelerregenden Dingen.

Wenn wir die Lügenmärchen anderer aufspüren, sind wir meist enttäuscht, traurig oder gar verärgert. Ekel gehört ähnlich wie Ärger, Trauer, Freude und Angst zu den Basisemotionen. Das bedeutet, dass Ekelgefühle, ähnlich wie die anderen Emotionen, in der rechten Gehirnhälfte entstehen.

Die instinktive Ablehnung durch Ekel und das daraus resultierende Vermeidungsverhalten lässt sich somit auch auf menschliches Verhalten übertragen.
Wer sich beispielsweise unfair verhält, andere belügt oder betrügt, wird instinktiv abgelehnt. Auch er scheint, ähnlich wie verdorbene Nahrung, nicht zu bekommen. „Das muss dann erst einmal verdaut werden“, wie der Volksmund so schön sagt.

Der Ekel ist also auch ein Grund, warum Menschen, die sich unfair verhalten, gemieden und aus dem sozialen, überlebenswichtigen Verbund ausgeschlossen werden.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München, Fuchs Fotografie München Pasing
Lektorat: Corinna Luerweg Hamburg

Quelle:
- London School of Hygiene and Tropical Medicine
- Uniklinikum Dresden
- Wikipedia
- In Bad Taste: Evidence for the Oral Origins of Moral Disgust" von H.A. Chapman et al. Aus der "Science" (27. Februar 2009)

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