Der einfache Gebrauch garantiert Verfolgungswahn und Stress auf der einen Seite, Hyperventilation und Angstzustände auf der anderen Seite: Das blaue Häkchen – die Nachricht wurde gelesen.

Seit bei WhatsApp mit den blauen Häkchen angezeigt wird, dass eine Nachricht gelesen wurde, kriselt es öfter in Beziehungen und Freundschaften. „Du hast die Nachricht gelesen, warum hast du nicht geantwortet?“, heißt es dann. Oder: „Er hat die Nachricht gelesen. Und er schreibt nicht zurück, was ist nur los?“

Aber nicht nur WhatsApp zeigt an, ob jemand online war oder eine Nachricht gelesen hat, sondern auch Facebook und viele andere Messenger-Apps. Das Grübeln darüber, warum der Adressat nicht sofort zurückschreibt, kann Menschen wahrlich verrückt machen. Sie verzweifeln innerlich. Im Kopf entstehen wilde Fantasien darüber, was er oder sie wohl jetzt damit sagen möchte. „Hat sie kein Interesse mehr?“, oder „Liebt er mich noch?“ Statt über die Unsicherheiten zu sprechen, suchen die Absender „Beweise“ für weiteres Fehlverhalten.

Was aber bedeutet es, wenn er oder sie nicht sofort antwortet? Müssen Sie um die Beziehung fürchten? In diesem Artikel werden Sie lesen, wie Sie entspannter mit dem blauen Häkchen – „Die Nachricht wurde gelesen“ – umgehen können.

Internetkommunikation Beziehung

Besser direkt miteinander reden als heimlich nach Beweisen suchen

Es ist schon verrückt, dass ein blau leuchtendes Häkchen oder die Information „War-vor-3-Minuten-Online“ über einen Menschen mehr aussagen soll als seine eigenen Worte in einem Gespräch. Kann es sein, dass manche Menschen wirklich einem Facebook-Messenger oder WhatsApp mehr vertrauen als dem Mann, der Frau oder der besten Freundin? Scheinbar schon, obwohl sich auch die Technik irren kann. Andere Nachrichten wiederum verschwinden einfach im Daten-Nirvana. Auch das ist schon passiert.

Viele Menschen fangen an diesem Punkt an, still zu grübeln und weitere Indizien für ein mögliches Desinteresse zu suchen. Dabei wäre es doch naheliegend, diese Irritation anzusprechen. Vielleicht gab es ja tatsächlich einen technischen Fehler oder ein Update, was manche Anzeigen durcheinandergebracht hat?

Internetkommunikation: häufig asynchron, selten böse gemeint

In einem persönlichen Gespräch sehen wir unserem Gesprächspartner an, ob er abwesend oder aufmerksam ist, ob er in Gedanken versunken ist oder interessiert zuhört. All das fehlt in der Internetkommunikation. Zudem wissen wir nicht, ob ein Mensch, dem wir gerade schreiben, nicht gerade mit etwas Wichtigem beschäftigt ist, bei der Arbeit in einem Meeting sitzt oder gerade in den Bergen an einer Kletterwand hängt. Wenn wir chatten, kann es oft passieren, dass diese Art der Kommunikation zeitversetzt geschieht. Wenn Sie sich aber zum Chatten verabreden, nehmen sich beide Zeit füreinander – wie bei einem persönlichen Treffen oder in einem Telefonat.

Wenn also der Empfänger der Nachricht nicht sofort antwortet, geschieht das in den seltensten Fällen aus Gemeinheit oder in böser Absicht, sondern sehr viel häufiger, weil der Empfänger oder die Empfängerin möglicherweise gerade etwas anderes zu tun hat.

Es ist unfair, dem Empfänger oder der Empfängerin zu unterstellen, er hätte kein Interesse oder ihm bzw. ihr wären andere Dinge wichtiger. Vielleicht trifft das in diesem Moment tatsächlich zu. Aber mal ehrlich, möchten Sie zu jeder Zeit und ständig erreichbar sein? Bei der Arbeit oder nachts, wenn Sie schlafen möchten? Unter der Dusche oder in der Bahn? Beim Zähneputzen oder bei der Gartenarbeit? Also, unter uns und im Vertrauen: Jeder Mensch braucht auch einmal Privatsphäre.

Was ist, wenn er oder sie die Nachricht gelesen hat und nicht antwortet?

Sie haben recht, wenn jemand in der Kletterwand hängt oder unter der Dusche ein Morgenlied trällert, wird er kaum sein Handy mitnehmen, um Nachrichten zu lesen. Neben den technischen Fehlern, die ich bereits erwähnt habe, gibt es da noch den eigenen Erwartungsdruck.

Die Kommunikation im Internet hat Kommunikationsverhalten insgesamt sehr verändert. Es ist schön, sich schnell einmal ein Bild zu schicken oder die gemeinsame Terminplanung abzustimmen. „Schnell“ ist hier das richtige Wort, denn die Internetkommunikation ist schneller als ein persönliches Gespräch.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit einer Freundin in einem Café und lästern gemütlich bei einem Cappuccino über die Geschehnisse der letzten Woche. Wie fühlt sich diese Vorstellung für Sie an?
Dagegen als Vergleich: Sie sitzen mit 30 Leuten in einem Raum, von denen Sie manche gut, andere weniger kennen. Alle reden gleichzeitig auf Sie ein und erwarten von Ihnen, dass Sie sofort antworten. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in diesem Stimmengewirr die Stimme Ihres Liebsten oder Ihrer Liebsten heraushören und auf dessen oder deren Fragen antworten? Stattdessen werden Sie versuchen, möglichst still zu sein, um irgendetwas von den Menschen verstehen zu können, vielleicht ist ja auch etwas von Ihrem Liebsten dabei.

Ähnlich ist es mit der Internetkommunikation. Sie „zwingt" uns gewissermaßen, rund um die Uhr erreichbar zu sein und schnell auf alles antworten zu müssen. Davon gehen wir zumindest stillschweigend aus. Das bedeutet jede Menge Stress. So schauen sehr viele Menschen die Flut ihrer Nachrichten erst einmal kurz durch, um zu sortieren, was davon „sofort beantwortet werden muss“ oder was noch etwas „Zeit hat“.

Bevor Sie jetzt den Gedanken hegen, Sie seien nicht wichtig genug, dass man Ihnen sofort antwortet, verrate ich Ihnen meine ganz persönliche Meinung: Die Dinge, die mir wichtig und bedeutend sind, schenke ich mehr Aufmerksamkeit – dazu möchte ich mir Zeit nehmen.

Wenn Ihr Kommunikationspartner also eine Weile auf sich warten lässt, kann es auch sein, dass er oder sie die „unwichtigen“ Dinge, die schnell zu klären sind, zuerst „abarbeitet“, um sich anschließend Zeit für Ihre Nachricht zu nehmen.

Ghosting – wenn es tatsächliches Desinteresse ist

Es kann ja wirklich passieren, gerade, wenn Menschen sich noch nicht so gut kennen, dass sie aus Desinteresse nicht zurückschreiben, obwohl sie Ihre Nachricht gelesen haben. Wenn die Person, mit der Sie einige Dates genossen haben, ohne ein Wort und ohne Vorwarnung einfach in Schweigen verfällt und verschwindet, ist das natürlich keine feine Art. Dieses Verhalten wird auch Ghosting genannt.

Ghosting ist keine gesunde Art der Kommunikation und irritiert das Gegenüber. Sowohl das Selbstvertrauen als auch das Vertrauen in unsere Mitmenschen wird durch Ghosting empfindlich verletzt. Wer vorher intensiven Kontakt pflegte oder sich auch des Öfteren schon getroffen hat, sollte diese Beziehung auch offen und ehrlich beenden. Ghosting ist ein Trend, der nur eines zeigt: fehlendes Rückgrat und feiges Sich-Drücken.

Beziehungspflege ganz retro

Es mag sein, dass sich durch die Lese-Bestätigung oder die Anzeige, wann jemand das letzte Mal online war, eine Erwartungshaltung beim Sender bildet. Dass Ihr Gegenüber zeitnah zurückschreibt, mag Ihnen ein Bedürfnis sein. Um unnötigen Stress bei Ihnen und beim Empfänger zu vermeiden, ist es wichtig, sich über unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen auszutauschen.

Freundschaften und Beziehungen müssen unbeantwortete Nachrichten aushalten. Anstatt weiter still Beweise für vermeintliches Fehlverhalten zu sammeln, sollten Sie besser daran arbeiten, diese Beziehung oder Freundschaft mit Vertrauen zu stärken und zu festigen. Das geht am besten fernab der virtuellen Welt: Einen Kaffee zusammen trinken gehen oder gemeinsam kochen. Beziehung wird da gepflegt, wo sie stattfindet, nämlich in echter Begegnung.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München, Pixabay
Lektorat: 
Corinna Luerweg Hamburg

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