Ulrike Fuchs

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Warum lügt der Partner?

Warum lügt der Partner?

Es ist paradox: Fast jeder hat schon mal geflunkert, aber niemand möchte belogen werden.

Die einen hübschen den eigenen Lebenslauf auf, die anderen antworten auf die Frage „Wie geht´s?“ mit „gut“, obwohl sie sich elend fühlen. Frauen mogeln vielleicht etwas mit dem Alter und Männer bezüglich ihrer Erfahrung. All das sind alltägliche Lügen, die gesellschaftlich überwiegend akzeptiert sind.

Wie aber sieht es mit solchen Lügen aus? „Ich bin dir treu. Da gibt es keine andere Frau“, erklärt er treuherzig, obwohl er bereits seit zwei Jahren eine Affäre hat? Welche Schummeleien sind in einer Beziehung in Ordnung und welche nicht? Wie wirken Lügen sich auf die Partnerschaft aus? Woran erkennt man sie? Welche Gründe für Lügen und Halbwahrheiten gibt es? Wie verhält man sich am besten, wenn der Partner lügt?

Lügen und Halbwahrheiten: Kein Mensch braucht die ganze Wahrheit, oder doch?

Lügen sind Äußerungen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Wer lügt, sagt etwas, um andere Menschen zu täuschen – ob bewusst oder unbewusst. Dabei spielt es keine Rolle, ob Details ausgelassen werden (Halbwahrheiten) oder direkt gelogen wird. Denn auch Halbwahrheiten wirken wie eine Lüge.

Lügner wollen sich selbst schützen und machen sich wenig Gedanken um ihre Mitmenschen. Sie nehmen Täuschung in Kauf, um in einem besseren Licht zu stehen. Deshalb sind wir so enttäuscht, wenn herauskommt, dass wir angelogen wurden. Die Enttäuschung ist das Ende der Täuschung. Man hat uns an der Nase herumgeführt.

Wenn der Partner bzw. die Partnerin lügt, ist das für die Beziehung eine echte Herausforderung, denn man kann auf Lügen kaum eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Wenn wir angelogen wurden, zweifeln wir instinktiv: „Was stimmt denn nun? Lügst du mich jetzt an oder sagst du die Wahrheit?“

Privatsphäre: Wie viele wahre Details muss der Partner wirklich wissen?

Aber muss man in einer Beziehung immer alles ausplaudern? Ganz klar, nein. Denn alle Details wollen wir nicht immer wissen. Es gibt Bereiche in einer Beziehung, in der ist Privatsphäre wichtig, beispielsweise „was im Bad passiert“.

Außerdem gibt es Geheimnisse in einer Partnerschaft, die sich sogar positiv auf eine Beziehung auswirken können, z. B. ein spontaner Wochenendtrip. „Schatz, du hast Post vom Reisebüro. Ist das was Wichtiges?“ „Nö.“ Das ist im positiven Sinne gelogen, denn sonst geht ja die Überraschung verloren.

Die ganze Wahrheit kann verletzen

Manchmal kann es verletzend sein, die volle Wahrheit heraus zu poltern. „Schatz, das Speckröllchen an deinem Bauch war auch mal kleiner. Du hast bestimmt 3 Kilo zugenommen.“ Diese Information ist unnötig kränkend, deshalb verkneifen wir uns solche Sätze. Vielleicht denken wir uns kurz, dass der Partner ein paar Pfunde zugenommen haben könnte, aber wir lieben ja nicht nur das Aussehen, sondern das Komplettpaket. Und davon gibt es jetzt einfach etwas mehr.

Wie ehrlich sollte man mit dem Partner sein?

Welche Details sollten wahrheitsgemäß ausgesprochen werden und welche nicht? Kurz gesagt: Jene, die relevant für den Partner bzw. die Partnerin und die Beziehung sind.

Es wird für eine Beziehung kaum belastend sein, wenn man mal auf die Frage „Wie geht´s?“ mit „gut“ antwortet, auch wenn es einem nicht rosig geht. Wenn dagegen der Partner lügt, um einen Seitensprung zu verheimlichen, kann das schädlich für die Beziehung sein.

Und ja: Die Affäre zu verheimlichen ist eine Lüge, denn sonst wäre es eine offene Beziehung.

Die Untreue jedoch zu beichten, nur um ehrlich zu sein, würde der Beziehung unter Umständen ebenfalls schaden. Erfährt der belogene bzw. betrogene Partner von der Unaufrichtigkeit, entsteht ein Vertrauensbruch, der im Nachhinein oftmals die Beziehung erschüttert.

Ehrlichkeit kann verletzend sein. Sie kann zur Waffe werden, enttäuschend sein und Vertrauen zerstören. Genauso kann Ehrlichkeit wiederum Vertrauen aufbauen. Denn wenn jemand ehrlich mit uns ist, bedeutet das, dass unser Gegenüber uns Informationen zutraut, die für uns und unsere Beziehung bedeutsam sind. Das kann uns verärgern, verletzen oder traurig stimmen, aber es zeigt ebenso, dass wir als Paar an der Wahrheit wachsen können.

„Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.“ Thomas Mann

Wahrhaft anders, aber ehrlich!

Im Grunde ist das, was uns schmerzt, die Erkenntnis, dass wir unterschiedliche Ansichten und Werte haben. Deswegen tut die Wahrheit oft genauso weh wie eine Lüge.

Ehrlichkeit erfordert die Bereitschaft von beiden: von dem einen, der die Wahrheit ausspricht, und dem anderen, der sie erträgt.

Besonders in Langzeitbeziehungen geht es darum, zu erkennen, dass wir unterschiedlich sind. Nicht alle Menschen teilen unsere Werte, auch nicht der Partner. Es geht darum, diese Unterschiede aushalten zu lernen und idealerweise sogar als Bereicherung zu erkennen.

Wenn der Partner lügt: 7 Anzeichen, woran man eine Lüge erkennt

Wer nach rechts schaut oder sich an der Nase kratzt, der lügt. Das ist ein Irrglaube. Denn es steht uns nicht ins Gesicht geschrieben, ob und wann wir lügen. Wenn jemand geübt im Lügen ist, werden wir es kaum erkennen können. Und schon gleich gar nicht an einer juckenden Nase oder einem erröteten Gesicht. Das sind lediglich Zeichen für eine verstärkte Durchblutung, die ihren Ursprung vielleicht in einer Aufregung hat, aber aufgeregt können wir aus verschiedensten Gründen sein, weil:

  • wir lügen (vielleicht), aber auch
  • uns der Konflikt unangenehm ist und wir uns lieber Frieden wünschen.
  • wir kritisiert wurden und uns das unangenehm ist.
  • wir beschämt sind, Angst haben und niemanden verletzen wollen.
  • wir keine Schwäche zeigen und besser dastehen wollen als wir selbst meinen, oder
  • wir möglicherweise sexuell erregt sind. (Denn jede Art der Erregung errötet das Gesicht.)

Eine stärkere Gesichtsdurchblutung oder andere körpersprachliche Anzeichen wie mit den Händen zu nesteln, deuten zwar auf eine emotionale Erregung hin. Das ist allerdings zu unspezifisch, um Lügen eindeutig zu erkennen. Auch das Verteidigungsverhalten bei Kritik muss nichts mit Lügen zu tun haben, denn wir verteidigen uns genauso, wenn wir uns angegriffen fühlen, uns die Beziehung am Herzen liegt oder wir eine Trennung fürchten.

An welchen typischen Anzeichen kann man Lügen erkennen?

1. Leise Zweifel

Wenn wir einen Menschen eine Weile kennen, fallen uns Widersprüchlichkeiten in kurzer Zeit auf. Ein unbestimmtes Gefühl, dass etwas nicht stimmt, stellt sich ein. Wir können es nicht immer an einem konkreten Gedanken oder Verhalten festmachen. Gehen wir jedoch im Geiste die Situation wiederholt durch, stolpern wir oft über Unstimmigkeiten.

Ein Beispiel mag das verdeutlichen:

„Schatz, diese Frau hat mich immer wieder angerufen“, erklärt er beiläufig. „Sie wollte nicht locker lassen, bis ich zu ihr komme und sie besuche.“

Sie sind irritiert? Korrekt! Denn es mag sein, dass man angerufen wird, dennoch kann man bei wiederholendem Versuch der Kontaktaufnahme unterschiedlich damit umgehen: Man kann zurückrufen, sich treffen oder Schluss machen.

„Ich kann nichts dafür“, ist eine glatte Lüge.

2. Ausweichen, Weglassen von Details und Ahnungslosigkeit

Ein Indiz für eine Lüge kann das Ausweichen auf eine Frage sein, denn ehrliche Antworten sind direkt. Die Ahnungslosigkeit soll Unschuld vorgaukeln, nach dem Motto: „Bei Schuldlosigkeit muss es ehrlich zugehen.“ Lügner weichen der Wahrheit aus, lassen Details weg oder stellen sich unwissend.

Auch hierfür ein Beispiel:

„Warum hast du nach dem Schwimmen in der Schwimmhalle ein Laubblatt in deiner Unterhose?“

„Ich war in der Schwimmhalle. Wie sollte da ein Laubblatt hinkommen?“

Diese Antwort, dass diese Person in der Schwimmhalle war, entspricht sogar der Wahrheit. Mit der Gegenfrage weicht die betreffende Person der Konfrontation aus und lässt die ursprüngliche Frage unbeantwortet. Dieses Ausweichen lässt Raum für Interpretationen. Das ist von Menschen, die lügen, oft beabsichtigt. Denn damit können sie sich im Zweifel herausreden: „Das habe ich gar nicht gesagt.“

Ehrliche Menschen sind bemüht, derartige Zweideutigkeiten aus dem Weg zu räumen, um Missverständnisse zu vermeiden. Das schafft mehr Klarheit. Wer nichts zu verheimlichen hat, möchte Transparenz schaffen, damit mehr Vertrauen entstehen kann.

3. Leugnen, Abstreiten und Verneinen

„Sören hat dich heute Mittag mit deinem Kollegen im Café gesehen – sehr nah und intim miteinander.“

 „Das stimmt nicht.“

Verneinungen, Leugnen oder Abstreiten schaffen Interpretationsspielraum.

Vorsicht: Es gibt Menschen, die in ihrem täglichen Sprachgebrauch häufig Verneinungen verwenden wie: „Heute Abend esse ich keinen Brokkoli.“ Was weiß man jetzt über das Abendessen der betreffenden Person? Genau, nichts, außer dass es keinen Brokkoli gibt. Menschen, die viele Verneinungen verwenden, sind nicht automatisch immer Lügner, sondern sie haben diese Sprachmuster teils früh in der Kindheit erlernt.

Worin besteht der Unterschied zwischen Lüge und erlerntem Sprachmuster? Wie geht man mit Verneinungen um?

Tipp: Probieren Sie einmal aus, nach einer Verneinung Ihres Gegenübers freundlich zu fragen: „Sondern?“

Sie werden erstaunt feststellen, dass jemand mit einem negierenden Sprachmuster versucht, konkreter zu werden. Um beim Beispiel mit dem Abendessen zu bleiben:

„Was isst du heute Abend?“

„Keinen Brokkoli.“

„Keinen Brokkoli, sondern …?“

„Ach, nur einen Salat, weil es heute so warm ist und ich nicht kochen möchte.“

Dagegen werden lügende Menschen auf die Nachfrage „Sondern?“ eher patzig oder genervt reagieren. Sie hingegen sollten hartnäckig am Ball bleiben, denn das stresst Menschen, die die Wahrheit verbergen möchten. Probieren Sie es aus!

Aber übertreiben Sie es nicht mit dem „Sondern“, verwenden Sie es stattdessen wie ein Gewürz – lieber später nachwürzen, statt vorschnell zu viel salzen.

4. Widersprüche zwischen den einzelnen Versionen

Lügen erfordern eine Menge Fantasie. Wer lügt, muss sich alle Versionen merken können, die er bzw. sie erzählt hat, und diese aufeinander abstimmen. Falls Widersprüche auftauchen, seien sie inhaltlich oder chronologisch, büßen Lügner schnell an Glaubwürdigkeit ein. Wer lügt, muss sich konzentrieren und fähig sein, zu improvisieren. Kleinste Fehler und Widersprüche zwischen den Versionen einer Geschichte können die Lüge sofort aufdecken.

Das macht es wiederum leichter, eine Lügengeschichte aufzudecken: Achten Sie auf die Storys, die Sie aufgetischt bekommen. Wechseln die Varianten einer Geschichte inhaltlich oder in ihrer zeitlichen Reihenfolge? Gibt es Widersprüchlichkeiten in den einzelnen Erzählungen? Ändern sich die Schilderungen mit wechselndem Publikum?

5. Wiederkehrende Formulierungen und Phrasen

Lügen können phrasenhaft, belanglos und oberflächlich klingen. Das liegt daran, dass es leichter ist, zu lügen, wenn sich die Formulierungen ähneln. Das spart Hirnschmalz und Kreativität für den Lügner bzw. die Lügnerin.

Wahrhaftige Menschen können das formulieren, was sie bewegt. Dadurch entsteht ein Facettenreichtum in der Erzählweise und es klingt nicht nach einer abgedroschenen Floskel.

Ebenso ist es schwierig, Pauschalaussagen und Übertreibungen ernst zu nehmen.

Vorsicht: Manchmal erhalten wir ehrlich gemeinte Komplimente, die wir aber nicht annehmen können und als Übertreibung abtun.

6. Gesagtes passt nicht zur Verhaltensweise

Je besser wir einen Menschen kennen, der sonst ehrlich und aufrichtig mit uns ist, desto einfacher wird es, Verhaltensänderungen wahrzunehmen. Instinktiv spüren wir: „Hier ist etwas faul.“

Deutlich wird eine Lüge dann, wenn das Wort nicht zum Verhalten passt.

Jeder kennt diesen Kollegen oder jene Freundin, der bzw. die einem einen Gefallen zusichert und dann verläuft sich die Sache. Sicher, man kann immer mal etwas vergessen oder die Zeit ist knapper als geplant. Wer allerdings etwas vergisst oder die Zeit eng wir, dieses Versprechen aber ernst gemeint ist, wird sich entschuldigen und das Versäumnis zeitnah versuchen zu beheben.

Dagegen wird eine Lüge dann deutlich, wenn das Verhalten nicht zum gesprochenen Wort passt.

Hier drei Beispiele:

„Du bist mir das Wichtigste auf der Welt.“ – Diese Person verbringt jedoch ausschließlich Zeit mit anderen Menschen.

„Ich erledige das bis Ende dieser Woche.“ – Das Versprechen verläuft im Sande.

„Urlaub mit dir gemeinsam? Ich stelle mir nichts Schöneres vor …“ – Die Reise bleibt eine Wunschvorstellung.

Wenn Wort und Tat nicht zusammen passen, sind Sie der Lüge auf der Spur. Diese Form der Lüge nutzen vor allem Menschen, die konfliktscheu sind, da sie mit dem Lippenbekenntnis glauben, ihr Gegenüber erst einmal zu besänftigen. Dieser Schuss geht aber meist nach hinten los. Denn wir wünschen uns, dass auf eine Zusicherung Taten folgen.

7. Fehlende Detailtiefe

Eine Lüge ist oft entlarvt, wenn die Detailtiefe fehlt. Ehrliche Menschen können Einzelheiten präzise wiedergeben, wenn man sie fragt. Sie können Feinheiten wiedergeben, ohne dabei abzuschweifen. Lügner können sich ebenso in Details verlieren, damit man nicht näher nachfragt.

Jemand, der lügt, möchte Verwirrung schaffen und damit die Wahrheit verschleiern. Ehrlichen Menschen ist es hingegen häufig wichtig, Klarheit und Transparenz herzustellen, denn das fördert das Vertrauen in einer Beziehung.

7 Gründe für Lügen: Warum lügen wir? Was steckt dahinter?

1. Lügen aus Höflichkeit, Nettigkeit oder Wohlwollen

Wie oft erleben wir im Alltag eine Lüge aus Höflichkeit bzw. Nettigkeit. Bemerkungen wie „Du siehst gut aus“ oder „Das schmeckt aber lecker“ sind oft gut gemeint und keine böse Absicht. Im Gegenteil, häufig möchte der Lügende sein Gegenüber aufbauen, motivieren oder ihm Mut zusprechen. Solche Lügen tragen dazu bei, dass unser Zusammenleben angenehmer wird.

Ebenso haben viele schon mal gelogen, um einen Freund oder die Partnerin zu überraschen. Was wäre das denn für eine Überraschung, die man längst kennt?

Überraschung vs. Enttäuschung – worin besteht der Unterschied? Beides beinhaltet eine plötzliche Wendung. Die Enttäuschung wird für den Unwissenden allerdings als unangenehm empfunden oder bringt diesen in eine missliche Lage. Bei einer Überraschung erlebt der Ahnungslose dagegen eine freudige Veränderung der Situation.

„Im Leben muss man dauernd zwischen Aufrichtigkeit und Höflichkeit wählen.“ Sophia Loren

Allerdings können selbst Lügen aus Nettigkeit manchmal zu viel sein. Denn wir wollen von den Menschen, denen wir vertrauen, nicht permanent angeflunkert werden, auch wenn diese Lügen wohlwollend gemeint sind.

2. Der Lügende schützt sich selbst, nicht den Partner

„Mein Partner regt sich nur auf, wenn er die Wahrheit erfährt.“ Mit solchen Sätzen verstecken sich Lügner gern hinter dem Partner. Lügner fürchten sich davor, dass ihre Geschichten auffliegen und sie die Konsequenzen tragen müssen.

Wenn das Paar eine Abmachung getroffen hat – verbal oder nonverbal, z. B., dass man sich treu bleibt, an die sich der Flunkernde nicht gehalten hat. Es ist nachvollziehbar, dass der betrogene Partner sich aufregt, wenn die Affäre des untreuen Partners auffliegt.

Diese Lügen werden vordergründig angeführt, um den nichts ahnenden Partner zu schützen. Jedoch dient dieser Schutz vor allem dem lügenden Partner. Alles andere ist vorgeschoben und damit nicht fair.

3. Wenn der konfliktscheue Partner lügt

Ein Konflikt zeigt, dass wir unterschiedliche Interessen, Wertvorstellungen und Wünsche haben. Ob wir den Konflikt benennen oder nicht, er ist für alle Beteiligten spürbar.

Konfliktscheue Menschen können diese Spannung kaum aushalten und vertreten ihren Standpunkt selten offen. Dass sie anderer Meinung sind, zeigt sich häufig in einem anderen Verhalten als einem, das sie vorher zugesichert haben. Sie wollen damit Streit vermeiden, provozieren aber genau das, wovor sie sich so fürchten: Streit, Ärger und Aggression bei Gegenüber.

Die Beziehung und das Vertrauen leiden unter konfliktscheuen Menschen. Unbewusst gehen konfliktscheue Menschen davon aus, man könne in einer Glaskugel sehen, was sie eigentlich meinen. Sie wirken nach außen, als seien sie passive Verweigerer und Lügner, wollen aber einfach nur nicht anecken und Ärgernisse vermeiden. Still hoffen sie, dass sich das Problem schon von allein klärt. Das tut es natürlich nicht. Die Folge: Weiterer Ärger und Frustration auf beiden Seiten.

Konfliktscheue Menschen belügen vor allem sich selbst. Ihre Anpassungsstärke ist einerseits eine Stärke, sie wird aber dann zur Schwäche, wenn sie eigene Wünsche, Ziele und Gefühle hinterm Berg halten – auch vor sich selbst.

4. Angst vor Konsequenzen

Eng verbunden mit der Scheu vor Konflikten ist die Angst vor Konsequenzen. Wenn wir unseren Standpunkt vertreten und unsere ehrliche Meinung äußern, hat das immer Folgen. Wir werden sicht- und damit angreifbar. Wir müssen fürchten, dass wir für unsere Meinung oder unsere Gefühle abgelehnt werden könnten. Die Angst vor Konsequenzen bzw. Bestrafung entwickelt sich meist in der Kindheit.

Die Lüge aus Angst vor unangenehmen Konsequenzen soll flunkernde Zeitgenossen schützen. Sie wollen niemanden willentlich zu verletzen, trotzdem passiert es, und zwar dann, wenn die Lügenmärchen auffliegen.

Um negative Folgen zu vermeiden, lügen Menschen beispielsweise, um eine Affäre zu verschweigen. Instinktiv wissen wir ja, wie der Lebensgefährte reagieren würde, falls er oder sie von unserer Liaison wüsste. Die Reaktion wird diese sein: „Mein Partner hat mich betrogen. Aber noch schlimmer als der Betrug ist, dass er mich angelogen hat.“

5. Mit einer Lüge eine weitere Lüge verheimlichen

Einige Menschen lügen, um vorangegangene Unwahrheiten zu verheimlichen. „Das wusste ich nicht“, ist dann unter Umständen eine weitere Lüge, um sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Dabei wäre dieser Moment, in dem wir mit unseren Lügen konfrontiert werden, spätestens der richtige Zeitpunkt, die Wahrheit auszupacken.

6. Lügen, um den Partner zu beeinflussen oder zu manipulieren

„Papa, es gibt gar kein sahniges Geheimnis im Frischkäse“, stellt der 5-jährige Gregor empört fest. „Das ist Werbung“, versucht sein Vater dem verzweifelten Kind zu erklären. Wir alle kennen es: Werbung soll zum Kauf verführen. Da wir um den Versuch der Werbebranche, uns zu beeinflussen, wissen, winken wir die Reklame entspannt ab.

Anders ist es in einer Beziehung, in der wir davon ausgehen, dass der Partner ehrlich mit uns ist. Aber Menschen lügen auch, um ihren Partner zu beeinflussen, manche sogar, um ihn bzw. sie zu manipulieren. Und es funktioniert, wenn jemand geschickt ist. Fliegt der Schwindel auf, reagieren wir ähnlich enttäuscht wie der kleine Gregor über das fehlende „sahnige Geheimnis“.

7. Zwanghaftes Lügen

Einer der häufigsten Gründe für diese Form der Lüge ist auf den Mangel an Anerkennung und Bewunderung zurückzuführen. Krankhafte oder notorische Lügner sind Profis im Geschichtenerzählen. Sie glauben an das, was sie erzählen. Im Unterschied zu anderen Lügenden haben zwanghafte Lügner kein bewusstes Motiv zu schwindeln. Sie lügen weder aus Nettigkeit, Angst oder Scham, sondern aus Geltungsbedürfnis.

Zwanghafte Lügner bevorzugen ein naives Publikum und sind bereit, dieses auszutauschen, um wieder Zuhörer zu finden, die die grandiosen Geschichten für wahrhaftig halten. Hier gibt es Überschneidungen zum Narzissmus, zumindest, was den Wunsch nach Wichtigkeit und Grandiosität betrifft. Ebenfalls können Menschen mit Borderline zwanghaft lügen. Ihr Motiv ist es dagegen, mit ihren Lügengeschichten und Manipulationen zu verhindern, verlassen zu werden. Es ist der Versuch, die Angst vorm Alleinsein und Ablehnung zu minimieren.

Das macht eine Beziehung mit Menschen mit Narzissmus oder Borderline extrem anspruchsvoll.

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Was tun, wenn der Partner lügt?

Keiner mag es, angelogen zu werden. Spricht man es besser an oder schweigt man lieber? Häufig wollen wir es nicht wahrhaben, dass der Mensch, der uns nahe steht, lügt. Wir halten den Verdacht der Lüge zurück – trotzdem wachsen Misstrauen und Skepsis. In vielen Fällen klärt sich das Problem dagegen bei einem persönlichen Gespräch.

Die eigene Wahrnehmung ansprechen

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin lügt und sich in Widersprüche verstrickt, äußern Sie Ihren Zweifel. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin.

„Warum sollte ich das Gespräch suchen? Mein Partner lügt doch!“, sagt Gabriele trotzig. Sie findet, dass sie durch die Lügen genug verletzt wurde. „Nachher streitet mein Mann alles ab und ich stehe als Dumme da. Wie peinlich wäre das denn?“ Im Grunde geht es um die Angst vor Ablehnung. Es ist menschlich, dass wir uns auch mal täuschen. Wenn wir aber über diese Vermutung sprechen, klären wir Missverständnisse und schaffen sie damit aus der Welt.

Das persönliche Gespräch suchen, digitale Kommunikation vermeiden

Bei einem persönlichen Gespräch unter vier Augen ist die Atmosphäre geschaffen, um offen und ehrlich zu sein. Zudem geht beim Chatten eine Menge verloren. Uns fehlen Mimik und Gestik, um besser einschätzen zu können, ob unser Gegenüber ehrlich mit uns ist. Pausen im Gespräch können Empathie und Verständnis erzeugen, dagegen werden lange Antwortzeiten im Chat oftmals verstanden als „Du willst mir nicht antworten“. Face to face erkennen wir, ob die Pause ein betretenes Schweigen bzw. Ausweichen ist oder dazu dient, die eigenen Gedanken zu ordnen.

Vorwürfe und Schuldzuweisung verschlimmern häufig das angespannte Verhältnis

Nachdem Sie Ihre Vermutung ausgesprochen haben, hören Sie genau zu, um Ihren Partner besser zu verstehen. Vermeiden Sie Vorwürfe und Schuldzuweisungen, denn das verschlimmert oftmals die angespannte Situation.

Sprechen Sie stattdessen darüber, wie Sie empfinden und was es in Ihnen auslöst, wenn Sie angelogen werden.

Wie viel Wahrheit vertragen wir wirklich?

„Er hat kein schlechtes Gewissen gehabt, als er mich mit einer anderen betrog. Aber er glaubte, er müsse mir trotzdem die 10-jährige Affäre beichten. Er hätte sein Geheimnis für sich behalten sollen, denn so hat er viel mehr kaputt gemacht,“ gestand Beate. Sie war nicht bereit, die ganze Wahrheit von ihrem Mann zu erfahren.

Häufig bohren wir nach und fragen: „Wie findest du das? Was denkst du? Warum hast du das getan?“ Wir sind aber enttäuscht, wenn wir die Wahrheit hören müssen. Enttäuschung, Traurigkeit oder der Ärger sind vorprogrammiert. Es zu spät, um zurückzurudern.

Bevor Sie miteinander sprechen und die Wahrheit auf den Tisch kommt, stellen Sie sich bitte immer zuerst diese Fragen: „Wie viel Wahrheit vertrage ich? Wie genau will ich es selbst wissen? Kann ich die Ehrlichkeit meines Partners überhaupt ertragen? Will ich es ertragen? Wie möchte ich damit umgehen?“ Bevor Sie aufschreien: „Ja, natürlich will ich nicht angelogen werden! Wer will das schon?“, denken Sie darüber nach, dass wir nicht immer offen für die ganze Wirklichkeit sind und Geradlinigkeit auch verletzen kann. Darauf müssen wir vorbereitet sein, wenn wir Ehrlichkeit und Offenheit fordern. Denn zu verlangen, dass der Partner die Wahrheit spricht und zeitgleich nicht mit ihr verletzt, ist nicht immer möglich.

Wenn der Partner wiederholt lügt: große bzw. wiederkehrende Lügen sind ein Trennungsgrund

Anders als bei Beate erging es Michael, der seine Frau erneut mit ihrem Geliebten erwischte. Es war ihr Arbeitskollege und sie konnte sich nicht trennen. Sie wollte aber auch die Ehe mit Micheal nicht aufgeben. „Sie versprach mir immer wieder, dass das mit diesem Kollegen vorbei sei. Ich wollte ihr glauben, war aber dennoch misstrauisch. Da war dieses unbestimmte mulmige Gefühl und dann tat ich etwas, was ich sonst niemals tun würde: Ich schaute in ihr Arbeitshandy. Da waren sie, die unzähligen Liebesnachrichten an diesen Kollegen. Sie schrieb ihm Dinge, die sie mir noch nie gesagt hatte …“

Wiederkehrende Lügen oder Unwahrheiten, die einen schweren Einschnitt für die Beziehung bedeuten, stellen einen massiven Vertrauensbruch dar. Sie können ein Trennungsgrund sein. Es entsteht ein tiefes Misstrauen dem Partner gegenüber, indem man sich ständig fragt: „Was kann ich dir denn überhaupt noch glauben und was nicht?“

Gemeinsame Spurensuche: „Was steht zwischen uns?“

Wenn Sie wissen, wie viel Wahrheit Sie vertragen und Sie gemeinsam an der Beziehung arbeiten möchten, dann beginnt jetzt die Spurensuche.

Warum steht die Lüge zwischen uns? Was brauchen wir beide, um mehr Wahrhaftigkeit in die Beziehung zu bringen? Wie sieht es mit unserer Konfliktfähigkeit aus?

Egal, was es ist, in der Praxis beobachte ich häufig, dass das Problem nicht nur ein Partner hat, sondern das Problem besteht zwischen dem Paar.

Vermisst der eine Partner beispielsweise Aufmerksamkeit und Zuwendung des anderen, wünscht sich das der andere oftmals ebenso. Es hapert zwischen dem Paar – beiden fehlt etwas.

Ähnlich verhält es sich mit den Lügen, denn beide haben irgendetwas davon: mehr Harmonie, der Schein, alles sei gut so wie es ist, oder dass hitzige Streitgespräche sich entschärfen.

So ist es nicht nur „der Lügner“, der sich auf Spurensuche begeben sollte, sondern auch der Partner, der angelogen wird. Stellen Sie sich diese Fragen: „Was gibt mir diese Beziehung? Was hält mich in dieser Partnerschaft, obwohl ich angelogen werde?“

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München
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Grafik: Ulrike Fuchs München

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