Ulrike Fuchs

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Hallo, ich bin Ulrike Fuchs, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Paartherapeutin, Dozentin & Autorin. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder glücklich und erfüllt zu leben.

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Schadet der Glaube an Seelenverwandtschaft der Beziehung?

Schadet der Glaube an Seelenverwandtschaft der Beziehung?

Sie haben sich gerade erst kennengelernt und trotzdem das Gefühl, Sie würden sich schon eine Ewigkeit kennen? Sie lachen über dieselben Witze und weinen bei denselben Filmszenen. Auf Anhieb fühlten Sie sich stark zueinander hingezogen und verstanden, ohne viel reden zu müssen. Diese tiefe Verbundenheit ist mehr als nur Verliebtsein und rational kaum zu erklären: Seelenverwandtschaft. Sie gilt bei denen, die daran glauben, als höchste Stufe der Liebe. In diesem Artikel verrate ich Ihnen, warum die Vorstellung von Seelenverwandtschaft gefährlich ist und für eine Beziehung sogar schädlich sein kann.

Was ist Seelenverwandtschaft?

Die Seelenverwandtschaft beschreibt zwei Personen, deren zwei Seelen, Körper und Geist im Gleichklang schwingen. Sie fühlen sich auf einer tieferen Ebene miteinander verbunden und scheinen sich auf natürliche Art und Weise sehr in ihrem Wesen zu ähneln. Das lässt das Gefühl entstehen, die Weltansicht mit dem Seelenverwandten auch ohne Worte teilen zu können: Egal, ob in der Liebe oder bei der Intimität, in der Kommunikation oder auf spiritueller Ebene – elementare Ansichten oder Werte scheinen bei Seelenverwandten gleich oder mindestens sehr ähnlich zu sein. Diese Erfahrungen können bei zufälligen Begegnungen mit Fremden entstehen oder auch in eine Partnerschaft müden.

Seelenverwandte müssen aber nicht zwingend Partner für eine Paarbeziehung werden. Sie können genauso gut auch als Freunde, Familienmitglieder, Kollegen oder Mentoren in das eigene Leben treten.

Menschen, die ihren Seelenpartner gefunden haben, beschreiben diese Zuneigung und Nähe als etwas, das sich kaum in Worten ausdrücken lässt. Es ist beinahe so, als ob man sich kennt, ohne sich vorher je begegnet zu sein.

Es gibt in unserem Leben nicht nur einen einzigen Seelenverwandten, sondern mehrere. Sie begleiten uns eine Weile, um uns weiterzubringen. Wer darauf wartet, den einen Seelenpartner zu finden, um mit ihm für immer und ewig in einer Paarbeziehung zu verschmelzen, der verpasst alle Gelegenheiten zu Weiterentwicklung.

Seelenverwandtschaft — echte Liebe oder doch nur Illusion?

Wer sich mit dem Thema Seelenverwandtschaft, Dualseelen und Zwillingsseelen näher beschäftigt, wird schnell feststellen, dass in diesem Zusammenhang häufig die Formulierung „bedingungslose Liebe“ auftaucht. Das mag daran liegen, dass es den Menschen ein tiefes Bedürfnis ist, bedingungslos geliebt zu werden und bedingungslos zu lieben. Aber ist das eine Liebe, die in einer Partnerschaft im realen Leben sowie im Alltag standhalten kann?

Beginnen wir mit dem, was bedingungslose Liebe eigentlich ist. Streng genommen gibt es die bedingungslose Liebe, wenn es gut läuft, nur ein einziges Mal in unserem Leben, nämlich die von Eltern zu ihren Kindern. Eltern wissen, dass sie all die Liebe, Zeit und Geduld ihren Kinder freiwillig schenken. Sie fordern dieses Geschenk von ihren Kindern nicht zurück. Ein Teil in uns erinnert sich an diese Zeit der Verbundenheit mit den Eltern und wünscht sich dieses Paradies zurück. Selbst Menschen, die als Kinder diese bedingungslose Liebe nicht erfahren durften, wissen instinktiv: „Das muss toll sein, bedingungslos geliebt zu werden.“ Die bedingungslose Liebe unserer Eltern hilft uns dabei, im Leben gut Fuß fassen zu können.

Eine erwachsene Partnerschaft braucht zwar auch das Geschenk der freiwilligen Liebe — aber sie ist nur die halbe Miete. Wenn sie im Alltag Bestand haben soll, müssen beide Partner sich an ein paar Bedingungen halten. Diese Regelungen werden oft besprochen, beispielsweise, wer wann das Bad putzt oder wer die Kinder von der Kita abholt. Gesetzmäßigkeiten wie beispielsweise gegenseitiger Respekt, Achtung und Wertschätzung bestimmen eher nonverbal das Paarleben. Auch der Wunsch nach Treue in einer Partnerschaft, ob ausgesprochen oder nicht, ist für viele Paare eine Bedingung für eine Partnerschaft.

Natürlicherweise bestimmen gewisse Erwartungen und Bedingungen eine Partnerschaft. Eine gute und von Fairness getragene Paarbeziehung benötigt etwas „geschenkte Liebe“ und dass beide auch in ihren Bedürfnissen gesehen werden und sich verstanden fühlen. Bedingungslose Liebe, also eine ohne jede Erwartung, und eine erwachsene Partnerschaft schließen sich demnach gänzlich aus. Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten in einer Freundschaft oder einer Partnerschaft bedingungslos geliebt werden oder bedingungslos lieben. Wir stellen immer Bedingungen, z. B., dass unser Partner uns treu ist. Unser Partner könnte dieselbe Bedingung stellen: Wir sollen auch ihm treu sein.

Das sind nun Bedingungen, die sich gleichen mögen – insofern stellen sie keine echten Vereinbarungen dar. Auch zwischen Seelenverwandten herrschen Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in den Persönlichkeitsmerkmalen, auch wenn viele das vielleicht nicht wahrhaben wollen. Vielleicht ist es die Angst vor Ablehnung, die uns still hoffen lässt, der andere müsse uns doch auch ohne Worte verstehen. So ist der neu kennengelernte Seelenpartner erst einmal nur eines: eine gute Projektionsfläche für unsere eigenen Ängste und stillen Bedürfnisse. Auf dieser Fläche wird der Seelenpartner häufig idealisiert und das Paar kann sich realistisch gar nicht richtig kennenlernen. Wenn Seelenpartner dann doch beschließen, ihre Liebe in den realen Alltag zu bringen, stellen sie oft sehr schnell fest, dass der Partner doch etwas anders ist als man selbst. Nun haben Seelenverwandte oftmals den Eindruck, sie könnten sich nicht trennen. Wenn es nicht miteinander und auch nicht ohneeinander geht, was bleibt dann? Sich vermehrt streiten? Sich wortlos aus dem Weg gehen?

So viel zu den Bedingungen, aber da ist ja noch die Illusion von bedingungsloser Liebe und Seelenverwandtschaft. Sie hilft dabei, sich gut zu fühlen, denn man wird in seiner Person bestätigt und fühlt sich ohne Wort erkannt. Die Beziehung selbst wird stark romantisiert, weil eine Trennung bedeuten würde, dass man sich doch getäuscht haben muss. Deshalb wird die Beziehung häufig harmonischer dargestellt, als sie in Wirklichkeit ist. Auch wenn Seelenverwandtschaft eine Illusion sein mag, vermag sie eines ganz sicher: Sie macht glücklich und zufrieden, zumindest für einige Zeit.

Warum schadet der Glaube an Seelenverwandtschaft der Paarbeziehung?

1. „Ich finde nie wieder jemanden, der so gut zu mir passt!“

Die Angst, nie wieder jemanden zu finden, der so gut zu einem passt, lässt schnell eine emotionale Abhängigkeit entstehen. Der Glaube an Seelenverwandtschaft unterwirft Betroffene der Stimmung und dem Wohlbefinden des Seelenpartners, denn wenn diese Beziehung auseinanderbricht, muss man fürchten, nie wieder so einen sich selbst entsprechenden Menschen zu finden. So steuert man direkt ins eigene Unglück: Weil man sich jetzt auf der höchsten Glücksstufe wähnt, kann es ja nur bergab gehen.

Seelenverwandte trifft man nicht an jeder Ecke – diese Annahme trägt dazu bei, dass Betroffene mitunter in ein tiefes Loch stürzen. Hat man nämlich endlich einen Seelenverwandten getroffen, darf man ihn nie verlieren, sonst ist es auch für immer mit der Liebe vorbei – der Druck ist also sehr groß, beim Partner zu bleiben, auch wenn sich Risse in der Harmonie zeigen. Dabei gibt es auch andere Menschen, mit denen man glücklich werden kann. Das wird oft übersehen oder erst sehr spät erkannt.

2. „Mein Seelenpartner ist so perfekt!“

Diese Idealisierung sorgt für viel belastenden Erwartungsdruck in einer Partnerschaft. Das habe ich bereits im Artikel „Den perfekten Partner gibt es nicht“ näher beschrieben.

Neben der Idealisierung verkennen Paare, die sich als perfekt passend empfinden, den wahren Charakter des Partners. Obwohl man meint, sich zu kennen – was nie ganz der Fall sein kann – will man nur die Charaktereigenschaften des anderen wahrnehmen, die man sehen will. Das nennt man Projektion: Im Gegenüber erkennt man nur die eigenen Emotionen, Wünsche und Eigenschaften. Der Partner wird zum Spiegelbild des eigenen Selbst.

3. „Wir sind so gleich!“ lässt keine Unterschiede zu

Eine Partnerschaft braucht Gemeinsamkeiten, schließlich gesellen gleich und gleich sich gern. Es heißt aber auch, dass Gegensätze sich anziehen. Ja, was nun? Ganz klar beides! Denn eine gute Liebesbeziehung braucht das verbindende Element, die Ähnlichkeiten, das Miteinander-Gleichsein, denn all das lässt das Zusammengehörigkeitsgefühl eines Paares wachsen und sorgt für eine stabile Beziehung.

Auf der anderen Seite braucht eine gute Partnerschaft auch trennende Elemente: die Andersartigkeit und die Unterschiedlichkeit. Diese lassen den jeweiligen Partner individuell und damit für den Partner interessant bleiben. Paare, die zu viel gemeinsam haben, finden sich irgendwann langweilig und leben nebeneinander her.

Eine gute Paarbeziehung braucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Seelenverwandte unterstreichen in ihrer Beziehung oftmals nur das verbindende Element und verbannen gänzlich die Unterschiede. Das Gleichheitsprinzip führt zwangsläufig zu einem Konflikt in der Partnerschaft.

4. Die Symbiose-Falle

Es ist sehr wichtig, dass ein Paar die Gemeinsamkeiten miteinander genießen kann und die Unterschiede gelten lässt, sonst gerät es in die Symbiose-Falle. Menschen, die in einer vermeintlichen Seelenverwandtschaft leben, verlieren irgendwann ihre Eigenständigkeit und ihre Individualität. Letztendlich werden sie vom Partner abhängig.

Emotional abhängige Menschen begeben sich freiwillig eine Opferhaltung. Sie lassen das Leben durch den Seelenpartner geschehen. Wenn aber von zwei Menschen einer ergeben ist bzw. sich als Opfer wahrnimmt, wird der andere automatisch zum Täter gemacht. Die Fassade beginnt langsam zu bröckeln und es kommt immer häufiger zu Streit und Konflikteskalation.

5. Man hält an der Paarbeziehung fest, auch wenn eine Trennung besser wäre

Extrem belastend für Partnerschaften ist Schicksalsgläubigkeit, da man die eigene Verantwortung für die gemeinsame Paarbeziehung nicht annimmt, sondern darauf setzt, dass höhere Mächte alles richten. Diese hohe Erwartung kann eine Partnerschaft emotional überlasten.

Wenn man trotz aller genannten Widrigkeiten meint, man habe den Seelenverwandten gefunden und man beschließt, es trotzdem als Paar zu versuchen, wird man den anderen nicht so schnell wieder ziehen lassen. Vermeintliche Seelenverwandte klammern häufig aneinander. Schließlich gehört man ja zusammen. Man würde sich niemals trennen, auch wenn die Paarbeziehung eigentlich gar nicht so richtig funktioniert. Doch ist es sinnvoll, am Schicksal der Seelenverwandtschaft um jeden Preis festzuhalten?

Fragen zum Nachdenken:

- Darf mein Partner ein anderer sein, als ich ihn mir vorgestellt habe?
- Darf ich anders sein, als mein Partner mich aktuell kennt oder glaubt zu kennen?
- Kann es für die Gemeinsamkeiten und die Vertrautheit auch andere gute Gründe geben? (gemeinsame Hobbys, Interessen oder Werte)
- Kann ich eine „innere Distanz“ zwischen uns ertragen, ohne mich im Stich gelassen, einsam oder abgelehnt zu fühlen?
- Gebe ich dem Schicksal die Verantwortung für mein Leben und meine Partnerschaft? Bin ich bereit, selbst etwas zu meinem Glück beizutragen?
- Kann mein Partner auch mal traurig, frustriert oder enttäuscht sein, ohne dass ich ihn unbedingt aufheitern muss, mich dafür verantwortlich fühle oder selbst meine Freude verliere?
- Kann ich zulassen, dass auch ich mal enttäuscht bin, ohne meinem Partner dafür die Schuld zu geben?
- Kann ich mir und meinem Partner zugestehen, dass beide auch mal Zeit für sich brauchen, ohne gleich in eine emotionale Krise zu stürzen?
- Beschuldige ich meinen Partner oder mich selbst, wenn es mal nicht läuft, wie ich es mir vorstelle?

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München
Lektorat: Corinna Luerweg Hamburg
Grafik: Ulrike Fuchs München

Literaturhinweise:
- Symbiose und Autonomie: Symbiosetrauma und Liebe jenseits von Verstrickungen (Leben lernen) (Deutsch) Taschenbuch – 26. Juni 2017 von Franz Ruppert
- Lösbare und unlösbare Aufgaben in der Paarberatung: Die Paardynamik in Supervision und Selbstsupervision (Leben lernen) (Deutsch) Taschenbuch – 5. August 2017

von Martin Koschorke
- Die Psychologie sexueller Leidenschaft (Deutsch) Taschenbuch – 12. Februar 2020 von David Schnarch

Kommentare (2)

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Sehr geehrte Frau Fuchs,

Ihren Artikel, die Fragen dazu las ich mit großem Interesse.-
Menschen, welche mutig und interessiert sind, ihr Leben zu reflektieren, verstehen sicherlich, dass ein Seelenpartner ein zeitlich begleitender Lebenspartner...

Sehr geehrte Frau Fuchs,

Ihren Artikel, die Fragen dazu las ich mit großem Interesse.-
Menschen, welche mutig und interessiert sind, ihr Leben zu reflektieren, verstehen sicherlich, dass ein Seelenpartner ein zeitlich begleitender Lebenspartner sein kann. Keineswegs muss dieser Mensch der Partner fürs Leben sein.
Meine Erfahrung: Es ist in vielen Situationen erstaunlich, manchmal gar erschreckend wie identisch die Gedanken und Ansichten und auch ehemalige Erfahrungen sein können. Selbst Prägungen sind gleich, so dass eine Resonanz unumgänglich ist.
So besteht die Möglichkeit sich gemeinsam zu entwickeln, neues Bewusstsein zu gewinnen.

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Geling Elisabeth
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Hallo Frau Geling,
vielen Dank für die sehr schöne und treffende Ergänzung! :-) Das ist vermutlich genau der Punkt: Wie offen und reflektiert ist man? Schafft man es, den Gegenüber als "Geschenk" zu sehen, dass einen Moment lang in unserem Leben...

Hallo Frau Geling,
vielen Dank für die sehr schöne und treffende Ergänzung! :-) Das ist vermutlich genau der Punkt: Wie offen und reflektiert ist man? Schafft man es, den Gegenüber als "Geschenk" zu sehen, dass einen Moment lang in unserem Leben verweilt, und als das zu genießen, was es ist? - Nämlich, eine wunderbare Erfahrung.
Herzliche Grüße, Ulrike Fuchs

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Ulrike Fuchs
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