Ulrike Fuchs

Psychotherapie und Paartherapie, München, Planegg, Martinsried - Ulrike Fuchs

Hallo, ich bin Ulrike Fuchs, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Paartherapeutin, Dozentin & Autorin. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder glücklich und erfüllt zu leben.

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Berührung ohne Gefühl

Berührung ohne Gefühl: Was bedeutet das für eine Partnerschaft?

Wenn Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin schlafen: Berühren Sie sich einander oder fassen Sie sich lediglich nur noch an?

Bitte verzeihen Sie mir diese intime Frage. Aber ich möchte Sie ein wenig dafür sensibilisieren, warum es so wichtig ist, nicht nur Sex miteinander zu haben, sondern auch, sich zu berühren und wirklich zu spüren.

Sexualität ist ein Gespräch mit dem Körper

Meine Paartherapie-Klienten berichten mir oft, dass sie zwar miteinander schlafen, sich dabei aber seit Langem nicht (mehr) berühren. Manche haben sogar die körperliche Nähe ganz eingestellt. Sie küssen sich im Alltag gar nicht mehr und das Händchenhalten ist auch vorbei.

Das ist doch schade, denn gerade die Sexualität eines Paares ist auch ein Gespräch – auf körperlicher Ebene. Wenn wir unseren Partner bzw. unsere Partnerin berühren, spüren wir, wie der Körper des anderen antwortet. Wir lauschen dem Genuss und der Hingabe des Partners. Was für Verliebte scheinbar völlig natürlich scheint, ist für Langzeitpaare entweder eingefahrene Routine geworden oder man lässt es ganz.

Kennen Sie das auch? Am Abend fragen Sie routiniert: „Schatz, wie war dein Tag?“ Schon bei der Frage beginnen einige geistig abzuschalten, weil die Antwort sie sowieso nicht mehr interessiert. So verhält es sich auch mit der körperlichen Kommunikation – der Sexualität eines Paares. Man kann sich anfassen und sogar gegenseitig zum Höhepunkt bringen, aber berühren Sie dabei das Herz und die Seele Ihres Partners?

Viele Verhaltensweisen des Partners werden gerade in einer Langzeitbeziehung vorhersehbar - und damit auch langweilig. Ähnlich ist das auch in der Sexualität. Überraschungen zählen laut Sexualtherapeut Jack Morin zu den „Grundsteinen der Erotik“.

Wenn Paare keine sexuellen Schwingungen mehr aussenden und empfangen, nicht mehr bereit sind, sich einander zu überraschen, und immer wieder neu kennenzulernen, beginnen sie, sich ohne Gefühl zu berühren. Wenn man den Partner anfasst und dabei geistig abwesend ist wie bei der Frage: „Wie war dein Tag?“, kann kaum sexuelle Anziehungskraft oder Erotik entstehen.

Doch wir wollen in unserer Paarbeziehung berührt werden, uns körperlich wie emotional verstanden und nicht nur „abgefertigt“ fühlen.

Von der falschen Annahme, Sex sei gleich Intimität und Berührung

Häufig können Paare ihre sexuellen Probleme, das mangelnde Begehren und ihre Unzufriedenheit darüber gar nicht benennen, weil sie von der falschen Annahme ausgehen, dass Sex gleich Berührung bedeuten würde. Das ist aber genau das Problem, denn Sex allein ist nicht zwangsläufig intim oder berührend. Aus dem Gewerbe der Prostitution ist bekannt, dass Freier beispielsweise nicht auf den Mund geküsst werden. Tatsächlich kann ein zärtlicher Blick oder ein inniger Kuss wesentlich intimer, erotischer und prickelnder sein als Sex.

Die Annahme, dass ein Paar, bloß weil es Sex hat, diesen auch als erfüllend empfindet, führt in eine Sackgasse. Aus dieser kann es nur herausgehen, wenn beide sich offen und ehrlich fragen (im Folgenden steht Partner sowohl für die weibliche, als auch die männliche Form):

  • Berühre ich meinen Partner?
  • Werde ich von meinem Partner berührt?
  • Sind wir emotional in Kontakt miteinander, wenn wir Sex haben?
  • Höre ich dem Körper meines Partners interessiert zu?
  • Hört mein Partner meinem Körper interessiert zu?
  • Schlafe ich mit meinem Partner, um ihn noch besser kennenzulernen?
  • Was überrascht mich an meinem Partner?
  • Was überrascht mich an meinen eigenen Gefühlen, die ich beim Sex erlebe?
  • Lasse ich Gefühle beim Sex zu? (Beispielsweise Freude, Lust, Ärger, Scham, Verlegenheit, Angst, Ambivalenz, Leidenschaft, …)
  • Wann vermeide ich Gefühle?

Es wundert Sie vielleicht, warum ich auch Gefühle wie Scham und Verlegenheit aufgezählt habe. Aber die meisten Menschen empfinden im Laufe ihres Lebens immer wieder mal Scham, wenn es um das Thema Sex geht. Sie sind verlegen, wenn sie mit ihrem Partner darüber reden sollen. Einige empfinden Scham bei der Vorstellung, sich sexuell mit ihrem Partner auszuprobieren.

Allerdings kommt hier ein Problem zutage: Wenn wir unseren Fantasien und erotischen Träumen keinen Raum geben, frieren sie ein. In der Folge schläft die Erotik zwischen einem Paar ein. Nehmen Sie bitte also auch Ihre Scham in der Sexualität wahr. Sehr häufig geht es dann in eine sehr interessante Richtung für Sie als Paar. Das kann eine lohnenswerte Reise für beide sein.

Wenn er zu schnell kommt und sie scheinbar keine Lust auf Sex hat

Sehr viele sexuelle Blockaden entstehen bei Männern wegen des Leistungsdrucks, ein sehr guter Liebhaber sein zu müssen oder immer Lust auf Sex haben zu wollen. Doch in einem Gespräch sind wir auch nicht immer offen: Weder sind wir ständig bereit, etwas zu erzählen, noch, immer zuzuhören.

Erstaunlicherweise erwarten das jedoch viele Menschen von ihrer Sexualität. Sex wird schnell instrumentalisiert, um sich gegenseitig zu bestärken oder zu zeigen: „Ich liebe dich“. Liebe und Zuneigung muss man jedoch nicht ausschließlich körperlich zeigen. Ganz im Gegenteil, die emotionale Zuneigung in Form von Aufmerksamkeit und Anerkennung kommt ohnehin viel besser bei uns Menschen an.

Wenn die Sexualität nur dazu dient, dem Partner zu zeigen, dass er ein toller Liebhaber ist oder der Partnerin zu demonstrieren, dass man sie liebt, dann „funktionieren“ wir nur. Wir müssen scheinbar Leistung erbringen. Dieser Leistungsdruck hat häufig zur Folge, dass Männer schneller ejakulieren und Frauen kühl werden oder Lustgefühle und einen Orgasmus vortäuschen. Damit ist aber keinem geholfen.

Wir alle konzentrieren uns besonders bei unseren ersten sexuellen Erfahrungen erst einmal nur auf die Technik. Langfristig aber macht sie Sex sehr mechanisch und emotional unbefriedigend. Erotik und Lust entstehen allerdings nicht über die technisch perfekte Umsetzung, ein guter Liebhaber zu sein oder besonders gut zu gefallen, sondern über die Gefühle, die uns miteinander verbinden.

Was es dazu braucht? Drosseln Sie das Tempo und lassen Sie sich (wieder) Zeit, sexuelle Berührungen ganz bewusst zu spüren und zu erleben. Zärtlichkeiten mit Gefühl sind wesentlich erfüllender und intimer als reiner Sex. Gefühl braucht vor allem Zeit, damit Sie sich wieder aufeinander einlassen können.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Quellen: David Schnarch, „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“ , 2016, Klett-Cotta, 512 S.
Jack Morin, „Erotische Intelligenz“ , 1995, Goldmann Verlag, 428 S.

Foto: Christian Kasper Fotograf München
Lektorat: Corinna Luerweg Hamburg
Grafik: Ulrike Fuchs München

Kommentare (2)

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Danke für diesen Artikel. Ich finde, Sex kann nur funktionieren, wenn man sich akzeptiert, verstanden, angehört und beachtet fühlt. Durch die vielen Reize heutzutage ist man nicht im "jetzt°, ist abwesend, intolerant, etc....... wirklich ein...

Danke für diesen Artikel. Ich finde, Sex kann nur funktionieren, wenn man sich akzeptiert, verstanden, angehört und beachtet fühlt. Durch die vielen Reize heutzutage ist man nicht im "jetzt°, ist abwesend, intolerant, etc....... wirklich ein unerschöpfliches Thema.
Danke für das zur Verfügung stellen so vieler interessanter Themen. Frohe Weihnachten.

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Veronika Lederer
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Hallo Veronika Lederer,
oh, ja, es ist wichtig in der Sexualität, sich akzeptiert, verstanden, angehört und beachtet zu fühlen.
Danke, ich wünsche Ihnen ebenfalls frohe Weihnachten und einen besinnlichen Jahresausklang!
Viele Grüße, Ulrike Fuchs

Ulrike Fuchs
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