Ulrike Fuchs

Psychotherapie und Paartherapie, München, Planegg, Martinsried - Ulrike Fuchs

Hallo, ich bin Ulrike Fuchs, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Paartherapeutin, Dozentin & Autorin. Ich unterstütze Menschen dabei, wieder glücklich und erfüllt zu leben.

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Mingle, Single oder Partnerschaft

„Mingle“: Zusammen oder Single?

Zusammen, also „mixed“ und trotzdem „Single“ ergibt die Wortkreation „Mingle“. Es drückt einen Beziehungstrend aus, bei dem man dem Bedürfnis nach Nähe folgt, ohne ein Paar zu sein. Quasi „Freundschaft Plus“ oder „Freunde mit gewissen Vorzügen“. Wo einst ein Kuss oder der erste Sex eine besondere Beziehung zwischen zwei Menschen darstellte, darf es heute unverbindlich bleiben. Aber was bedeutet das genau? Was steckt hinter dieser Beziehungsform? Und wie wirkt die offene Beziehung auf das seelische Wohlbefinden?

Beziehungsstatus: „Es ist kompliziert!“

„Seid ihr nun zusammen oder nicht?“, hören Mingles oft von ihren Freunden und antworten mit einem Schulterzucken. Der Gedanke einer Partnerschaft ist schließlich nicht allzu abwegig, wenn man bereits mehrere Dates hatte, die Zeit miteinander genießt und auch Sex miteinander hat. Andererseits mag jeder seine Eigenständigkeit behalten und keine Verpflichtung eingehen. „Nachher macht er mir eine Szene, wenn ich mich mit einem Freund treffe“, oder: „Sie versteht nicht, dass ich beruflich in eine andere Stadt muss“. „Und was ist, wenn wir uns ineinander verlieben?“

Mingles tun also alles, was Paare eben so miteinander machen; nur dass sie kein Paar sind. Ziemlich verwirrend, was!? Die flexible Beziehungsform als Mingle hat sicher Vorzüge, bringt aber auch eine Menge Unsicherheiten mit sich. Anders gesagt, der Beziehungsstatus ist „kompliziert“.

Kapitalismus auf dem Single-Markt

Wirft man einen Blick in Single-Portale wird schnell klar, dass mit dem Wunsch nach einer festen und beständigen Partnerschaft viel Geld gemacht wird. Zeitgleich stecken sich Singles derart überzogen hohe Ziele in der Partnerwahl. Single-Männer müssen sportlich sein, Musik mögen, Kunst interessiert sein, sowie gute Gespräche und ausgedehnte Spaziergänge lieben. Frauen müssen gut aussehen und junggeblieben sein, intelligent aber nicht zu schlau und vor allem unkompliziert sein. Ja, der Single-Markt ist ein hartes Business, wenn nicht das härteste überhaupt. Es gleicht manchmal einer Art Katalogbestellung. Das soll dann sicherstellen, dass man nicht die Katze im Sack kauft.

Die Angst vor Fehlentscheidungen und die Hoffnung auf einen besseren Partner, gepaart mit dem Bedürfnis nach Unverbindlichkeit, prägt den Single-Markt zunehmend mit einem kapitalistischen Gedanken. Der Optimierungswahn ist also auch bei der Partnerwahl eingezogen. Aber bringt die scheinbare Freiheit wirklich das ersehnte Wohlbefinden? Oder erzeugt es nicht gerade auch eine Menge Unsicherheiten, als Mingle unterwegs zu sein?

Denn die Freiheit als Mingle kann unter Umständen auch das Gefühl entstehen lassen, dem anderen nicht zu genügen. Was, wenn man die Ansprüche des anderen nicht erfüllen kann?

Gründe für das Mingle-Leben

Selbstverwirklichung

Familiengründung steht heute nicht mehr zwingend im Mittelpunkt, viele wollen beruflich erst einmal Fuß fassen, dann ihr Leben genießen, frei sein und sich ausprobieren. Selbstfindung, Sinnsuche und Selbstverwirklichung stehen an oberster Stelle. Das ist einer der Gründe, warum immer mehr Menschen die Beziehungsform als Mingle wählen, eine Partnerschaft auf Abruf: Zärtlichkeit, Geborgenheit und Sex nach Bedarf, aber ohne Verantwortung, Bindung und Verpflichtung.

Gesellschaftlich akzeptiert

Mingles haben es heute einfacher, ihren Bedürfnissen nach Freiheit und Flexibilität nachzugehen. War es noch vor 50 Jahren verpönt, ohne Trauschein zusammen zu sein, sind „wilde Ehen“ oder auch Alleinerziehende heute völlig normal. Natürlich gab es immer schon Menschen, die sich gegen gesellschaftliche Regeln aufgelehnt haben, aber das ist nicht die Norm. Mingles müssen heute also nicht auf Krawall gebürstet sein, um sich auszuleben.

Zeitgeist: Herr und Frau Unverbindlich

Schon in den 1990ern sagte meine Tante zu mir: „Ulrike, wenn der Münchner sagt: „Schau mer mal!“, kannst du das als höfliches „Nein“ sehen!“ Ich erinnere mich noch sehr gut an dieses Gespräch, denn ich habe das nicht so gesehen, ich verstand und verstehe diesen Satz bis heute eher als: „Ich möchte mich nicht festlegen und mir bis zur letzten Minute alles offen lassen, falls sich noch etwas Besseres ergibt.“

Herr und Frau Unverbindlich ist aber nicht nur ein Phänomen der Städte München, Berlin oder Hamburg – auch wenn es tendenziell in Großstädten wesentlich mehr Singles und Mingles gibt als in ländlicheren Regionen. Mingle-Beziehungen sind kein typisches Stadtthema und auch keine Neuerscheinung, viel mehr gibt es jetzt endlich einen Namen für die Beziehungsform, bei der sich Menschen ungern binden und festlegen wollen: Mingle. Das erleichtert die Zuordnung und eröffnet eine weitere Schublade.

Perfektionismus

Ein Leben auf der Überholsprung beinhaltet auch, alles optimieren zu müssen. Auch die Partnerwahl unterliegt dem Optimierungswahn und dem Versuch, zu perfektionieren. Graeme Simsion beschreibt diesen Optimierungswahn bei der Partnersuche in seinem sehr unterhaltsamen Bestseller-Roman „Das Rosie-Projekt“. Darin will Don Tillman heiraten, aber es muss die „perfekte“ Frau sein. Also fertigt er eine Checkliste an, um seine Traumfrau zu finden.

Aber eben „Traum“-Frau, denn der Traumpartner ist nur solange ein Traumpartner, solange er idealisiert wird und im Traum bleibt. Liebe kennt keine Perfektion, entscheidend ist bei ihr die Tatsache, ob wir uns auf den anderen einlassen können oder nicht.

Als Mingle möchte man die Vorzüge einer Beziehung genießen, auch den Sex natürlich, aber das sich emotional Einlassen (können) bleibt aus. Dahinter stecken oft Ängste, wie beispielsweise die Angst, etwas zu verpassen, oder die Angst, schon „besetzt“ zu sein, wenn etwas Besseres kommt. 

Angst vor Einsamkeit

Was passiert, wenn jemand nicht mit sich allein zurecht kommt? Richtig, es muss jemand gesucht werden, der die innere Einsamkeit füllt. Wir vergessen nur dabei, dass niemand uns im Außen das geben kann, was wir in uns nicht spüren. Und so geschieht etwas, was auch als „Sicherstellen und Weitersuchen“ bekannt ist. Perfektion und die Angst vor der Einsamkeit tanzen hier Tango.

Bedingungslos glücklich

Seit einer Weile ist auch ein Trend zu beobachten, dass wir fortwährend glücklich sein „müssen“. Doch was ist Glück überhaupt? Manche machen ihr Glück am Partner fest, für andere ist Glück, erfolgreich im Beruf zu sein, oder wieder andere sind glücklich in ihrer eigenen Familie. Viele Mingles versprechen sich vom Mingle-Leben (die Mischung aus Unverbindlichkeit und Beziehung) das große Glück.

Glück ist aber etwas sehr persönliches und unterliegt auch im Laufe des Lebens immer wieder einem Wandel. Das heißt, die Beziehungsform „Mingle“ muss noch lange nicht dauerhaft glücklich machen, oft sogar ist das Gegenteil der Fall.

Liebe ohne Alltagsfrust und scheinbar stressfrei

Partnerschaft bedeutet auch immer, Kompromisse gemeinsam zu suchen und zu finden. Diese können manchmal sogar heftig erstritten werden. Aber will man das? Ist es nicht viel schöner, wenn alles ganz harmonisch ist!? Aber da, wo zwei unterschiedliche Menschen mit eigener Meinung aufeinander treffen, können Meinungsverschiedenheiten folgen – egal, ob man ein Paar ist oder Mingle oder doch nur befreundet ist. Streit ist wichtig, wir lernen uns dadurch besser kennen. Wer aber die Erfahrung gemacht hat, dass bei einem Streit alles entzwei bricht, fürchtet sich möglicherweise vor Streit und bleibt lieber Mingle. Jedoch stärkt ein konstruktiver Meinungsaustausch sogar eine Beziehung.

Freiheit oder Bindungsangst?

Eine Paarbeziehung auf Raten verspricht die große Freiheit, aber sie verschleiert vor allem eigene Ängste. Wie bereits erwähnt, können der Bindungsangst verschiedene Ängste zu Grunde liegen, z.B. die Angst, etwas zu verpassen, die Angst vor zu großer Nähe oder die, nicht zu genügen und damit verbunden die Angst vor Zurückweisung. Kurz gesagt, nennt man diese Angst „Bindungsangst“, die Angst, sich zu binden.

Geborgenheit und Freiheit: Vorteile als Mingle

Das individuelle Maß an Freiheit und trotzdem ein Gefühl von Geborgenheit, das bringt scheinbar eine Menge Vorteile mit sich. Als Mingle kann man alles genießen, was Paare miteinander erleben und zeitgleich ist die Zweisamkeit, die man als Mingle schätzt, trotzdem frei, unverbindlich und ohne Verpflichtungen.

Vor allem müssen Mingles aber eines: Wirklich offen und ehrlich zueinander sein, denn wenn Gefühle ins Spiel kommen, kann das Mingle-Leben schnell verletzend sein und der Liebeskummer ist vorprogrammiert.

Die Gefahr von Liebeskummer: Nachteile als Mingle

Die Beziehung in der Schwebe ist für alle Beteiligten sicher eine gute Alternative, solange das Herz nicht dabei ist. Aber Mingle-Beziehungen bergen die Gefahr, dass einer von beiden sich verliebt; und dann ist der Liebeskummer vorprogrammiert. Im Grunde wollen wir alle für unsere/n Partner/in etwas Einmaliges sein; deshalb schmerzt es uns auch so sehr, wenn wir betrogen werden. In einer Mingle-Beziehung ist aber selbst das erlaubt – schließlich sind beide Single und dürfen ganz frei auch andere Partner treffen. Erlaubtes Fremdgehen oder eine offene Beziehung ist, wenn man verliebt ist, Gift für das seelische Gleichgewicht und Wohlbefinden.

Hier beginnen die Probleme, denn wer verliebt ist, wünscht sich mehr Verbindlichkeit. Die Mingle-Beziehung kommt in Schräglage. Plötzlich kommt es zur Eifersucht, es werden Forderungen gestellt und Besitzansprüche erhoben. All das, was Mingles im Grunde vermeiden wollen.

Mingle und unglücklich – was tun?

Es kann sehr verletzend sein, sich nur als Lückenbüßer zu fühlen, bis Mr. Right oder Mrs. Right kommt; denn es hat den faden Beigeschmack von „Du reichst mir nicht!“. Wenn einer von beiden sich verliebt und eine Beziehung möchte, der andere aber zögert, empfinden wir das Gefühl von Zurückweisung. Dies ist äußerst schmerzhaft. Was können also Mingles dagegen tun?

Hier einige Fragen, die dabei helfen, eine Entscheidung zu treffen:

  • Wie fühlen Sie sich in der derzeitigen Situation als Mingle? Fühlen Sie sich wirklich wohl?
  • Fühlt sich die offene Beziehung für Sie gut an oder empfinden Sie es eher als Belastung?
  • Vor was fürchten Sie sich? Vor was haben Sie Angst? Was würde passieren, wenn Sie Ihre Gefühle offen ansprechen?
  • Möchten Sie etwas verändern? Oder haben Sie Verlustangst? Angst vor Zurückweisung?
  • Wollen Sie wirklich Mingle sein? Oder erhoffen Sie sich mehr?

Über einen längeren Zeitraum das Gefühl zu haben, nur 2. Wahl zu sein, rüttelt sehr am Selbstwertgefühl. Aber sobald die Angst vor Zurückweisung größer ist als das Gefühl, es wert zu sein und fair behandelt zu werden, machen wir Abstriche. Manchmal sind es sogar faule Kompromisse.

Es ist die Basis einer jeden Beziehung, ob Partnerschaft oder Freundschaft Plus, offen und ehrlich über die eigenen Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen zu sprechen. Nur wenn beide die Karten offen auf den Tisch legen, kann eine Lösung gefunden werden, mit der unterm Strich beide zufrieden sind. Und sei es im schlimmsten Fall, dass man getrennte Wege geht. Dafür aber sind beide Herzen wieder frei für einen Menschen, der ein echtes „Ja“ für einen übrig hat.

Sind Sie sich dennoch unsicher, was Sie tun sollen und wie Sie sich entscheiden sollen, dann nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf. Ich unterstütze Sie gerne.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Buchtipp:
- „Bindungsangst verstehen und überwinden: Warum Männer und Frauen unter Beziehungsangst leiden und was Sie als Betroffener oder Partner tun können“, von den Paartherapeuten Theresa König und Ole Andersen
- „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion

Foto: Christian Kasper Fotograf München
Lektorat: Friederike Klingholz Münch
en
Grafik: Ulrike Fuchs München

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