Der Satz „Ich folge dir schon eine Weile“, ist unter Twitter-Usern oftmals als Kompliment zu verstehen. Denn man folgt nur interessanten Menschen oder liest nur gute Inhalte. Was sehr spaßig klingen mag, kann aber auch schnell zum Psycho-Terror werden, nämlich dann, wenn mit Hilfe technischer Kommunikationsmittel gestalkt wird. Beim Cyberstalking kann der Stalker seine Identität und Tätigkeiten weitestgehend verschleiern. Das macht das Cyberstalking auch so gefährlich.

Im besten Fall muss ein Cyberstalking-Opfer die Email-Adresse ändern oder unbestellte Waren zurücksenden; das ganze kann aber auch größere Ausmaße annehmen, sodass der Ruf ruiniert ist oder das Konto leergeräumt wird. Cyberstalking kann viele Gesichter haben. Was aber ist Cyberstalking genau? Und wie kann man sich davor schützen?

Cyberstalking: Wenn Stalker die Anonymität des Internets missbrauchen

Was ist Cyberstalking?

Während man sich noch zu Zeiten ohne Internet einfach kennenlernte, googeln heute viele Menschen ihr Date, und das schon vor dem ersten Kennenlernen. Auch Personalchefs sind dazu übergegangen, im Bewerbungsverfahren die potenziellen Mitarbeiter zu googeln. Das soll mögliche Fehlgriffe verhindern. Doch bedeutet nicht jedes Googeln gleich Cyberstalking!

Cyberstalking ist eine neue Form von Mobbing. Der Begriff des Cyberstalkings entstand, um Straftaten im Internet einen Namen zu geben. Er beschreibt die digitale Variante des Stalkings. Cyberstalking setzt sich zusammen aus „Cyber“, einer Vorsilbe, die computer- bzw. internetbezogen ist, und „Stalking“; „to stalk“ bedeutet in der Jägersprache „sich an das Wild anschleichen, anpirschen“. Kurz: Cyberstalking ist Stalking mit Hilfe des Internets.

Es beschreibt ein Stalking-Verhalten, bei dem eine Person mit Hilfe von Internet, sozialen Netzwerken, Emails, Smartphones oder ähnlichen elektronischen Medien verfolgt, bedroht, belästigt oder geschädigt wird. Derzeit ist die Dunkelziffer von Cyberstalking sehr hoch, da diese Art des Stalkings noch verhältnismäßig jung ist. Es liegen noch nicht genügend Werte für Statistiken vor.

Es ist aber davon auszugehen, dass Cyberstalking die nächsten Jahre zunehmen wird. Denn die digitalen Kommunikationsmedien machen es Stalkern erheblich einfacher, die gewünschten Informationen über ihre Opfer zu erhalten und anonym zu bleiben.

Trotzdem: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum!

Stalking ist in vielen Ländern, auch in Deutschland („Nachstellung“), eine Straftat. Seit dem 31. März 2007 wurde ein Gesetz erlassen (§ 238 StGB), welches das unbefugte Nachstellen strafrechtlich verfolgt.

Cyberstalking Beispiele:

  • Identitätsdiebstahl im Internet, Ermitteln von persönlichen Daten
  • bedrohliche Nachrichten via Email, Kommentarfunktionen in Blogs oder sozialen Netzwerken, wie Facebook, Twitter, Google+, WhatsApp
  • Beleidigungen, Verleumdungen, Nötigung, sexuelle Belästigung oder Rufschädigung
  • Verfolgung der Internetaktivitäten des Stalking-Opfers (bspw. letzter Onlinebesuch), gezielte Recherche nach (privaten) Informationen
  • „Einbruch“ in die digitale Haustüre des Stalking-Opfers (Account knacken, um Bestellungen im Namen des Opfers zu tätigen oder das Konto zu plündern)
  • Verletzung der persönlichen Rechte, wie Copyrightverletzungen bei Fotos oder geistigem Eigentum
  • unangemessene Liebeserklärungen, die öffentlich durch Foren oder soziale Netzwerke gehen
  • übersteigerte Regelmäßigkeit in der Kontaktaufnahme mittels elektronischer Kommunikationsmedien
  • Kontaktaufnahme unter vorgetäuschter oder verschleierter Identität, bspw. durch ein Fake-Profil
  • Verbreitung von Bildern und Informationen, gegen den Willen der Person z.B. Imageschaden
  • Erstellen von Homepages, Blogs, Foren, Socialmedia-Profilen gegen den Willen der Person oder mit schädigendem Inhalt, Verleumdung, Beleidigungen etc.
  • Abschließen von Verträgen, Abonnements oder Onlinebestellungen (Kaufen oder Verkaufen von Artikeln) im Namen der betroffenen Person
  • Verbreitung von falschen Informationen oder Lügen im Internet über die betreffende Person

Zudem wird bei Cyberstalking ein Verhalten unterstützt, das beim „klassischem Stalking“ wesentlich schwieriger ist: das Einbeziehen von Dritten. Beim Stalking ist es typisch, dass weitere Menschen wie Freunde, Nachbarn oder Kollegen des Opfers ausgefragt werden und/oder mit ihnen schlecht über Betroffene geredet wird. Durch die Öffentlichkeit des Internets und dem viralen Effekt von sozialen Netzwerken verbreiten sich Negativpresse und Gerüchte wesentlich schneller, was Cyberstalking auch so gefährlich macht. Hier können Stalker regelrechte Kampagnen starten und zeitgleich anonym bleiben.

Mögliche Motive für Cyberstalking sind:

  • Sehnsucht nach Liebe: Oft wünschen sich Stalker eine Beziehung mit der auserwählten Person oder wollen die verlorene Liebe zurückgewinnen. Gepaart ist die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung mit dem Bedürfnis nach Schutz und dem Wunsch, unerkannt zu bleiben.
  • Angst davor, bloßgestellt oder ausgelacht zu werden (deshalb die Anonymität des Internets)
  • Angst vor Verlust und Einsamkeit: Die Verlustangst lässt Stalker regelrecht „klammern“. Der Fokus ist  auf das Objekt ihrer Begierde gerichtet.
  • Rache (Psychoterror), um Angst und Schrecken bei einem Menschen zu erzeugen.
  • Cyberstalker-Persönlichkeit

Cyberstalking-Persönlichkeit

Stalker-Persönlichkeit

Das Verhalten von Stalkern ist von massivem Realitätsverlust gekennzeichnet, es fehlt ihnen an Unrechtsbewusstsein. Stalker nehmen ihr Verhalten als unproblematisch wahr, vielmehr empfinden sie sich selbst als Opfer, das gedemütigt wird. Sie fühlen sich vom Verhalten des Stalking-Opfers gekränkt, zurückgewiesen und provoziert. Eine krankhaft verzerrte Wahrnehmung, die im Auge des Stalkers den Psychoterror rechtfertigt.

Stalker sind narzisstische Persönlichkeiten, die nach außen sehr selbstbewusst auftreten, aber in sich schüchtern, ängstlich und leicht  zu kränken sind. Sie fordern Liebe und Aufmerksamkeit um jeden Preis, und sei es gewaltsam. Viele Stalker leiden unter großen Ängsten, wie beispielsweise Verlustangst, weshalb sie alles tun, um die Aufmerksamkeit der Auserwählten zuerhalten. Bei dem größten Anteil der Stalker handelt es sich um verlassene bzw. zurückgewiesene (Ex-)Partner. Sie wollen Macht erlangen und sich überlegen fühlen.

Nicht selten sind Stalker bereits in einer Beziehung sehr anhänglich. Anfänglich kann dies sogar schmeicheln, wird diese Nähe jedoch nicht erwidert, drohen dem Stalker emotionale Abgründe.
Die Zurückweisung rüttelt am viel zu labilen Selbstwertgefühl, weshalb ein „Nein“ für einen Stalker unakzeptabel ist.

Cyberstalker-Persönlichkeit

Zur Stalker-Persönlichkeit kommt beim Cyberstalking, wie schon erwähnt, noch die Anonymität des Internets hinzu, was darauf schließen lässt, dass Cyberstalker extrem gehemmt sind, sozial in sich verkapselt und schüchtern sowie starke Konfliktscheu aufweisen. Sie haben Angst vor Konfrontation.

Motive für Cyberstalking können unerwiderte Verliebtheit, Wut über eine mögliche Zurückweisung oder ein verletztes Ego sein. Derzeit wird vermutet, dass überwiegend Männer Cyberstalking begehen, obwohl auch Frauen als Täterinnen in Betracht kommen können. Frauen scheinen eher prominente Menschen zu verfolgen, während für Männer als Tatmotiv eher sexuelle Enttäuschung und Zurückweisung eine Rolle spielen sollen. Manchmal sind es aber auch politische oder religiöse Interessen, die Männer zum Stalker werden lassen.

Zur Psychologie des Cyberstalkings

Schnelle und leichte Kontaktaufnahme

Auch in der Kontaktaufnahme wird es den Cyberstalkern leichter gemacht, denn unabhängig von Zeit und Ort, treffen sie nahezu überall ihre Opfer an. Außerdem macht es der fehlende zwischenmenschliche Kontakt wesentlich schwieriger, einen Stalker zu erkennen. Wer einem Menschen auf der Straße oder im Freundeskreis begegnet, nutzt alle Sinne, um diesen einzuschätzen. Das ermöglicht es, zu erkennen, ob unser Gegenüber uns wohlgesonnen ist oder nicht. Durch das Internet kann man keine Mimik sehen oder die Stimmlage oder Betonung nicht hören, die zum Einschätzen von anderen Menschen notwendig ist. Somit wird es Stalkern leichter gemacht, ihr Vorhaben zu verschleiern.

Schutz der Anonymität

Der scheinbare Schutz der Anonymität, die ein Cyberstalker genießt, enthemmt ihn gewissermaßen. Daher lassen diese oftmals auch Emotionen wie Eifersucht, Wut und Hassgefühle viel stärker an ihren Opfern ab. Nicht selten begünstigt Cyberstalking Realitätsverlust und Versagensgefühle, daher kommt es zu einem ausgeprägten Macht- und Kontrollverhalten seitens des Stalkers.

Eingebildete Nähe

Was zusätzlich beim Chatten passiert, ist ein Phänomen, das zwar noch nicht ausreichend von der Medienpsychologie untersucht wurde, aber ein wichtiges Kriterium darstellt, um Cyberstalking zu verstehen. Man könnte dieses Phänomen als „eingebildete Nähe“ beschreiben. Es kann beim Chatten trotz oder gerade wegen der Anonymität ein überraschendes Gefühl der Nähe und Intimität entstehen. Ein Grund dafür könnte sein, dass man sich ohne störende Außeneinflüsse miteinander austauscht. Die fehlende körperliche Nähe wird dann mit Fantasie aufgefüllt. So entsteht eine scheinbare Vertrautheit, die nur auf Einbildung aufbaut. Das Gegenüber ist und bleibt trotzdem ein Fremder; nicht aber für die Wahrnehmung des Cyber-Stalkers, der sich viel einbildet auf diese Nähe, die von ihm erträumt ist.

Jeder kann Opfer von Cyberstalking werden

Nicht nur Privatmenschen fürchten Cyberstalking, auch bei Selbstständigen erzeugt es große Unsicherheiten und Ängste. Denn diese sind rechtlich dazu verpflichtet, ihre Kontaktdaten im Impressum auf der eigenen Homepage anzugeben. Darüber hinaus möchte jeder Selbstständige neben der rechtlichen Pflicht von seinen Kunden gefunden werden, und stellt schon allein deshalb seine Kontaktdaten leicht auffindbar zur Verfügung.

Neben den persönlichen Interessen, die der Cyberstalker an der selbstständigen Person hegt, können aber auch Konkurrenten Cyberstalking betreiben, um systematisch den Ruf des Betroffenen zu schädigen. So erleben es beispielsweise Gastronomen immer wieder, dass in Bewertungsportalen vermehrt Negativbewertungen geschrieben werden, die den Ruf schnell ruinieren sollen, damit Kunden fernbleiben. Auch das zählt zum Cyberstalking.

Eine weitere Gruppe, die anfälliger für Cyberstalking ist, sind Jugendliche. Häufig werden unter Mitschülern Fotos oder Videos gemacht, die dann ohne Einwilligung der Beteiligten ins Netz gestellt werden. Schnell mal öffentlich allen Freunden auf Facebook gezeigt, wie ein Mitschüler in einer peinlichen Situation ausschaut, oder ein Gerücht erzählt und im Freundeskreis geteilt. Hier geht Cyberstalking in Cybermobbing über. In der jüngsten Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass ganze Familien aufgrund des Cybermobbings umziehen mussten, weil der virale Effekt für die gesamte Familie derart rufschädigend war. Leider wird viel zu selten der Wahrheitsgehalt eines Gerüchts geprüft.

Folgen für Menschen, die Cyberstalking erlebt haben

Stalking bedeutet für Stalking-Opfer Dauerstress und kann zu einer großen Belastung werden, sowohl körperlich als auch psychisch. Je nach Charakter und Sensibilität sind mögliche Folgen:

  • innere Unruhe, Angst
  • Schreckhaftigkeit
  • soziale Abkapselung
  • Vermeidungsverhalten
  • Kontrollverhalten, zwanghaftes Verhalten
  • ständige Angst, beobachtet und verfolgt zu werden
  • Schlafstörungen, Albträume
  • Erschöpfungszustände, Burnout
  • Konzentrationsprobleme, Arbeitsunfähigkeit
  • Gereiztheit, Aggressivität, Anspannung
  • Depression
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie, Binge-Eating, Essattacken)
  • posttraumatische Belastungsstörung
  • Selbstmordgedanken, Suizid

Körperliche Beschwerden können Kopfschmerzen, Verspannungen, Verdauungsprobleme (Verstopfung, Durchfall), Magenkrämpfe, Schwindel und Erbrechen sein. Auch bereits bestehende Erkrankungen wie Neurodermitis, Allergie und Asthma können sich unter der psychischen Anspannung verstärken.

Wie man sich gegen Cyberstalking schützen kann

Generell gilt beim Stalking, den Stalker ins Leere laufen zu lassen. Nicht aus Höflichkeit oder Nettigkeit zu antworten, sondern ihn förmlich austrocknen zu lassen. Das klingt etwas radikal, aber es ist das einzige, was hilft. Denn mit Stalkern kann man nicht „normal“ reden, sie empfinden ihr Handeln, das Stalking, als korrekt. Und jede Antwort oder jeder Gesprächsversuch wird von ihnen als Zeichen missverstanden, nämlich dass die gestalkte Person doch Kontakt „will“. Einen Stalker muss man sich psychisch erst einmal leisten können, um ihn derart leichtfertig mit Aufmerksamkeit zu füttern.

Was tun gegen Cyberstalking?

  • Machen Sie dem Stalker einmal, sofort und in aller Deutlichkeit klar, dass der Kontakt unerwünscht ist.
  • Seien Sie mit Ihren persönlichen Daten im Internet sehr vorsichtig, auch mit Angaben wie „Bin gerade im Urlaub in…“.
  • Sichern Sie Ihre Accounts. Ein sicheres Passwort ist ganz wichtig. Keine Geburtstage oder Namen vom Haustier etc. Ändern Sie Ihre Kennwörter regelmäßig.
  • Vom Cyberstalker eingestellte peinliche Bilder oder Lügenmärchen sollten schnellstmöglich und kommentarlos gelöscht werden. Die meisten Anbieter kommen dieser Bitte nach und entfernen die entsprechenden Posts.
  • Unangenehme Kontakte oder Cyberstalker können Sie in vielen sozialen Netzwerken oder Foren sperren bzw. melden.
  • Seien Sie vorsichtig mit Emails oder Kontaktanfragen von Menschen, die Sie nicht persönlich kennen.
  • Treffen Sie alle technischen Schutzmaßnahmen (aktuelle Internet-Sicherheitssoftware, geheime Rufnummern bzw. Email-Adressen)
  • Nehmen Sie keine fremden Pakete an und bitten Sie auch Ihre Nachbarn, die Paketannahme zu verweigern.
  • Suchen Sie sich Verbündete: Informieren Sie Freunde, Familie oder Menschen Ihres Vertrauens darüber, dass Sie gestalkt werden.
  • Sichern Sie Beweise: Speichern Sie alle Nachrichten, Emails etc., die Sie vom Stalker erhalten haben. Dokumentieren Sie, alle Fakten und Beweise, dass Sie gestalkt werden.
  • Falls Sie konkrete Drohungen erhalten, gehen Sie zur Polizei und erstatten Sie Anzeige.
  • Sprechen Sie auch mit Ihren Kindern über die möglichen Gefahren des Internets.
  • Wenden Sie sich an Einrichtungen für Stalking-Opfer oder suchen Sie sich psychotherapeutische Unterstützung.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Intuitive Fotografie Köln, Christian Kasper Fotograf München
Lektorat: Friederike Klingholz Münch
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