Ulrike Fuchs

Psychotherapie und Paartherapie, München, Planegg, Martinsried - Ulrike Fuchs

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Positiv Denken oder gesunder Optimismus?

Positiv Denken oder gesunder Optimismus?

Positives Denken hat in den letzten Jahren einen derart „sportlichen“ Charakter bekommen, dass es mittlerweile schon fast peinlich wird, wenn man mal ganz normal schaut – ohne zu lachen. Doch die Überdosis an guter Laune und „Positiv Denken“ kann zu Realitätsverlust führen und sogar krank machen. Warum? Das erfahren Sie in diesem Blogartikel.

Positiv Denken oder gesunder Optimismus?

Auf den ersten Blick scheint positives Denken richtig und hilfreich zu sein. Unzählige Persönlichkeits- und Motivationsseminare sowie Ratgeberlektüre finden Anwendung. Das „neue richtige Denken“ verspricht Gesundheit, Vitalität und mentale Leistungsfähigkeit.

„Denk positiv, und die Welt ist in Ordnung“ sollte jedoch etwas kritischer betrachtet werden, denn die zwanghaft, aufgesetzte gute Laune – egal, was kommt – macht den Menschen zur Maschine. Gemeint ist hier nicht ein gesunder Optimismus, sondern das automatische Abspulen von Suggestionen, was auf das Umfeld meist maskenhaft und oberflächlich wirkt. Die gesprochenen Texte wirken eingehämmert und es gibt scheinbar nur Erfolge bei den Positiv-Denkenden.

Die Menschen, die nicht über ein Dauergrinsen für den Rest des Lebens verfügen, haben es aus Sicht der "Positiv-Denker" nur noch nicht richtig versucht oder sind hoffnungslose Versager.

Gut gemeint ist selten gut gemacht

So gut gemeint der Rat sein mag, es leicht zu nehmen und „einfach“ zu lächeln, so ist er für manche doch schwierig umzusetzen. Der "Positiv-Denker" und Motivationstrainer wird dann zwar sagen:

„Du hast es nur noch nicht richtig gewollt!“

Jedoch gibt es Situationen im Leben, in denen einem nicht nach Lachen zu Mute ist, zum Beispiel nach einer Trennung, einer verpatzten Prüfung, Missbrauch oder auch in der Depression.

Als ob diese Menschen mit ihrem Schicksal nicht schon genug zu kämpfen hätten, wird ihnen mit einem „Du musst es nur wollen!“
zusätzlich unterstellt: „Du willst dich ja schlecht fühlen!“

Ich bin noch keinem Depressiven begegnet, der gern depressiv ist.

Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der sich gern an Missbrauch oder Gewalt erinnert.

Noch bin ich jemals einem Menschen begegnet, der den Verlust eines geliebten Menschen genießt. Sie etwa?

Zwanghaft gute Laune: Warum jede Emotion wichtig ist

Höhen und Tiefen im Leben sind ganz normal. Es ist sehr gesund, auch mal traurig, wütend oder enttäuscht zu sein. Jedes Gefühl hat seine Berechtigung. Freude und Spaß sind vielen einleuchtend.

Aber wozu dient Angst? Ganz einfach, sie schützt. Angst ist ein Frühwarnsystem, was Gefahr wittert und uns rechtzeitig warnen soll.

Und Wut? Wut lässt uns gegen Ungerechtigkeiten ankämpfen.

Auch Ent-Täuschung – wie es die deutsche Sprache genau auf den Punkt bringt – hat ihre Berechtigung: Es ist das Ende der Täuschung und bereitet uns auf die Wahrheit vor, auch wenn diese manchmal schmerzt. Mit frisch geweinten Augen sieht man jedoch klarer.

Das seelische Gleichgewicht ist hergestellt, wenn alle Emotionen ihren Raum haben dürfen, auch die vermeintlich unangenehmen. Der Versuch, Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut zu verbannen, ist, als würde man aus dem Regenbogen ein Gelb oder Blau rausstreichen. Wer ständig gut gelaunt sein will, unterdrückt vermeintlich „negative“ Gefühle. Diese erzeugen einen Aggressionsstau, der unter Umständen plötzliche Gefühlsausbrüche zur Folge haben können.

Positiv denken: Deckmantel für fehlende Konfliktbewältigung

Jeder Mensch hat andere Voraussetzungen. So können wir Erfahrungen, Erziehungsmethoden und Traumen nicht einfach abstreifen wie eine alte Jacke. Pessimismus dient dazu, Missstände und Probleme zu erfassen und Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Vielfach wird das Herunterschlucken von unliebsamen Gefühlen als Deckmantel für mangelnde Konfliktfähigkeit genutzt. Innere Unsicherheiten wie „Was könnte der andere dazu sagen?“ oder „Was könnten die anderen denken, wenn ich weine?“ potenzieren Angst, Wut und Trauer, im Unterbewussten.

Weil diese Gefühle nicht angemessen zum Ausdruck gebracht werden können, entsteht ein innerer Druck, der oft passiv abgelassen wird, mit latenten verbalen Spitzen, absichtlichem Vergessen, Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit oder einer aufgesetzten, nicht situationsangebrachten Heiterkeit.

In seltenen Fällen bleiben einem selbst diese Möglichkeiten verwehrt, um Druck abzubauen. Die Gefahr: Unkontrollierte Gefühlsausbrüche können im Extremfall zu Amoklauf führen.

Positiv denken kann krank machen

Negative Gefühle sind ein Signal zur Erkennung unerträglicher Verhältnisse. Sie setzen den Körper in Bewegung, um Missverhältnisse zu ändern. Unliebsame Gefühle sind überlebensnotwendig.

Trotz fehlender wissenschaftlicher Evidenz eroberten Glücksforschung und „Positive Psychologie“ die Universitäten.

Absurd wird es dann, wenn Patienten und Patientinnen mit schweren Krankheiten wie Krebs oder auch Depression empfohlen wird, alles einfach positiv zu sehen. Die Chemotherapie strafft dann die Haut, hilft beim Abnehmen und macht dauerhaft glücklich. Jedoch verschlimmern sich Depressionen sowie Gefühle von innerer Leere und Einsamkeit, und das trotz Glückslektüre und Dauergrinsen . Plötzlich setzen Selbstzweifel ein: „Habe ich nicht ausreichend genug positiv gedacht? Habe ich etwas falsch gemacht?“

An dieser Stelle beginnt die Abwärtsspirale. Sobald Unglück und Leid als selbst verschuldet angesehen werden, wie das im Modell „Positiv Denken“ vorgesehen ist, macht es krank. Gerade depressiven Menschen droht hier ein noch tieferes Abstürzen in die Depression.

Woran ist krankhaftes „Positiv Denken“ zu erkennen?

  • Stimmungsdoping mit Sätzen, wie: „Sei positiv, Optimisten leben länger!“ - übertriebene Verallgemeinerungen, wie: „Angsthasen sind Weicheier!“
  • Negieren und Herunterspielen unliebsamer Gefühle, wie: „Der Tod meiner Mutter macht mich nicht traurig, schließlich war sie sehr krank. Es war besser für sie, zu sterben.“
  • Leistungsdoping und Sätze, wie: „Ich schaffe alles!“
  • Leben in einer Scheinwelt, in der alles harmonisch und unproblematisch ist, Sätze wie:
    "Alles ist gut!“
  • Schwarz-Weiß-Denken

Wie können Sie mit unangenehmen Gefühlen richtig umgehen?

Zwanghaft Positiv Denken ist Augenwischerei und Verdrängung. Eine gesunde seelische Balance entsteht mit einer realistischen Einschätzung der Situation.

Gerade Menschen mit Ängsten hilft es zum Beispiel, sich bewusst vorzustellen, was alles schiefgehen könnte. Mit allem zu rechnen, bedeutet auch, auf vieles gefasst zu sein – das beruhigt.

Gefühle wie Wut, Angst, Zweifel, Ärger, Trauer, Schuldgefühle oder Scham sind unangenehm, sie sind aber nicht schädlich.

Gerade jene, die sich mit unangenehmen Gefühlen auseinandersetzen, tun ihrer Psyche etwas Gutes. Psychologische Studien ergaben, dass es sehr hilfreich ist, unliebsame Gefühlen schriftlich zu verarbeiten. Schreiben hilft bei der Bewältigung dieser Emotionen und fördert damit das Wohlbefinden – und zwar langfristig.

Seelisch gesund und zufrieden ist der Mensch immer dann, wenn äußere Einflüsse mit innerer Wahrnehmung und Emotion in Einklang sind. Wenn dies nicht der Fall ist und Stimmungstiefs, Stimmungsschwankungen, plötzliches „Aus-der-Haut-Fahren“ (ohne ersichtlichen Grund), Ängste, Traurigkeit oder Depressionen, aber auch Harmoniesucht und Dauergrinsen anhalten, sollten Sie professionelle Hilfe aufsuchen.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München
Lektorat: Friederike Klingholz München
Grafik: Ulrike Fuchs München

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