Stimmen im Kopf? Selbstgespräche? Das machen doch nur Verrückte und Spinner!? Falsch gedacht, in Gedanken reden mehr als 90 Prozent der Menschen mit sich selbst. Und das ist auch gut so, denn Selbstgespräche haben einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit. Wie der innere Monolog glücklich macht, und welche Gründe es dafür gibt, mal wieder ein Gespräch mit sich allein zu führen, lesen Sie im folgenden Artikel.

8 Gründe, die für Selbstgespräche sprechen

Wie normal sind Selbstgespräche?

Morgens im Bad, im Stau auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Joggen: Jeder Mensch führt Gespräche mit sich selbst, wenn auch nicht immer bewusst. Selbstgespräche wirken auf viele erst einmal befremdlich oder sogar verrückt. Aber sie sind normal und sehr gesund. Die weit unterschätzten Gespräche mit sich selbst helfen, die eigenen Gedanken zu sortieren. Sie können beruhigen, motivieren und Ideen reifen lassen. Selbstgespräche fördern Intelligenz und Kreativität.

Bereits Kinder führen Selbstgespräche, laut gesprochene wie still gedachte. Kinder verarbeiten damit die Ereignisse, die sie am Tag erlebt haben. Im Grunde sind Selbstgespräche Gedanken, die nicht laut ausgesprochen werden, und damit für andere Menschen nicht wahrnehmbar sind, trotzdem werden sie geführt.

Auch können Selbstgespräche Lücken füllen, wie es besonders Singles und Einzelkinder kennen. Die stille Unterhaltung schafft eine Art Ersatz für einen fehlenden Gesprächspartner. Andere sprechen mit ihrem Haustier oder einer Zimmerpflanze, und wieder andere streiten mit einem Buch oder gehen eine innere Bindung mit einem fiktiven Menschen aus einem Film ein. Diese Gespräche geben ein vorübergehendes Gefühl von sozialem Austausch. Während der Selbstgespräche sollen die gleichen Hirnregionen aktiv sein, wie bei einem richtigen Gespräch mit einem anderen Menschen, erklärt die Psychologin Corinna Reichl vom Universitätsklinikum Heidelberg gemeinsam mit ihren Kollegen im Fachmagazin "Personality and Individual Differentes".

„Man führt nicht mehr genug Selbstgespräche heutzutage. Man hat wohl Angst, sich selbst die Meinung zu sagen.“ Jean Giraudoux

8 Gründe, die für Selbstgespräche sprechen

1. Gedanken ordnen und Entscheidungen treffen

Wer Tagebuch schreibt, kennt es: Das Schreiben hilft dabei, eigene Gedanken zu ordnen, Erlebnisse zu verarbeiten und sich über Gefühle klar zu werden. Ähnlich ist es mit den Selbstgesprächen, bloß dass dieser Prozess der Verarbeitung nicht schriftlich, sondern verbal in einem selbst stattfindet. Das heißt, Selbstgespräche helfen auch dabei, Gedanken und Gefühle zu reflektieren. Somit finden wir schneller eine Lösung für ein Problem und können leichter eine Entscheidung treffen.

2. Mentales Googeln

Wenn wir ein Selbstgespräch führen, hört das Gehirn sehr genau hin. Auch der Inhalt der Selbstgespräche ist wichtig und hat Einfluss auf unser späteres Handeln. Denn alle Informationen des Selbstgespräches werden abgespeichert, sodass wir jederzeit darauf zurückgreifen können. Schnell mal unser Google-Gehirn gefragt, auch bekannt als Erinnerung oder Erfahrung, und schon wissen wir, nach welcher Hausnummer wir suchen oder welchen Weg wir einschlagen müssen. Somit ist ein Selbstgespräch auch eine Art Datensicherung, die später als Gedächtnistraining gut genutzt werden kann.

Allerdings wird im Gehirn alles abgespeichert, denn es weiß nicht, was uns möglicherweise in 10 Jahren von Nutzen sein könnte. Archiviert werden also alle Erfahrungen und die dazugehörige Bewertung, die wir vornehmen. Das bedeutet, dass alle Erlebnisse von uns bewusst oder unbewusst kommentiert werden, beim mentalen Googeln werden dann die jeweiligen Seiten und die dazugehörigen Kommentare aufgerufen. Selbst wenn der Kommentar abwertend war, erscheint das im Chatverlauf des Gehirns. Und umgekehrt, sprechen wir wertschätzend mit uns selbst, wird auch das von unserem Gehirn gespeichert. Es schadet also nicht, sich die Festplatte auch mal anzugucken, um etwas aufzuräumen.

3. Selbstgespräche steigern die Kreativität

Dieses mentale Googeln, was Teil eines Selbstgespräches ist, hilft aber auch, Ideen zu bündeln und an der Umsetzung zu arbeiten. Hier geht es gar nicht so sehr ums Abspeichern, sondern vielmehr um das Verarbeiten und Weiterverwerten von Informationen. Hier wirken Selbstgespräche hoch inspirierend und Kreativität steigernd.

Diesen Prozess nutzen Autoren, Künstler und Musiker beispielsweise, wenn sie an einem Projekt arbeiten, brainstormen und ihre Ideen „kneten“ und formen.

4. Emotionale Intelligenz verbessern

Sich in andere Menschen einzufühlen, nennt man Empathie. Sie gehört zur genetischen Grundausstattung des Menschen und sichert das soziale Miteinander. Prägend sind hier sicher die ersten Jahre der Kindheit, denn in diesen erfahren wir Bindung und Sicherheit. Das schafft Vertrauen und ist für ein gesundes Selbstbewusstsein sehr wichtig. Später kommt das Sozialverhalten unter Gleichaltrigen dazu.

Emotionale Intelligenz setzt sich zusammen aus Empathie, Selbstbewusstsein und der Fähigkeit, zu kommunizieren. Das bedeutet, dass über Selbstgespräche die emotionale Intelligenz trainiert werden kann, denn während der Gespräche fühlen wir uns in uns selbst (Selbstbewusstsein) und in unser Gegenüber (Empathie) ein, zeitgleich kommunizieren wir – das verbessert auch unsere Rhetorik.

5. Selbstgespräche als Ventil

Traurigkeit, Ärger und Frust sollte man nicht in sich hineinfressen. Auch hier können Selbstgespräche dabei helfen, diffuse Gedanken und unliebsame Gefühle zu verarbeiten.

Die Selbstgespräche erlauben es, den Ärger zu formulieren und damit loszuwerden; außerdem können sie dazu beitragen, sich in der Traurigkeit weniger einsam zu fühlen. So sind Selbstgespräche auch ein Ventil bei innerer Spannung.

Sie können Aggressionen reduzieren und dadurch Stress abbauen.

6. Selbstmotivation

Worte können motivieren. Ein „Du schaffst das!“ oder „Gut gemacht“ ist der verbale Schulterklopfer, ein „Ich glaub an dich!“. Ob nun andere an uns glauben oder wir selbst überzeugt sind, dass wir etwas schaffen, ist dabei erst einmal zweitrangig, denn die Wirkung ist die gleiche: Wir fühlen uns gestärkt und packen es an. Diese innere Motivation macht selbstsicherer.

Ein motivierendes Selbstgespräch kann also durchaus weiter anfeuern und dabei unterstützen, ein Ziel besser und schneller zu erreichen. Die innere Ansprache kann aber ebenso demotivieren, denn wer sich regelmäßig als Versager beschimpft, wird sich davon kaum bestärkt fühlen. Aus diesem Grund sind Qualität und Inhalt der Selbstgespräche sehr wichtig.

7. Selbstgespräche beruhigen

Wer im Stau steht und einen Termin hat, kann unruhig und ungeduldig werden. Auch hier helfen Selbstgespräche, wie beispielsweise der Zuspruch, dass es bald weitergeht. Der Stau löst sich dadurch zwar nicht auf, aber wir sind entspannter und weniger gestresst. Und das ist nachweislich spürbar: der Puls geht runter, der Herzschlag verlangsamt sich und wir können wieder klare Gedanken fassen.

8. Leistung und Konzentration werden verbessert

Und weil Selbstgespräche einerseits beruhigen und anderseits motivieren können, werden sie im Rahmen eines Coachings oder Mentaltrainings gerne auch genutzt, um bei Sportlern oder im Beruf die Konzentration und Leistung zu verbessern. Das liegt daran, dass wir ohne Stress und voll motiviert leistungsfähiger sind, weil wir uns sicher und wohl fühlen. Das stärkt den Selbstwert und wir wagen uns mutiger an Probleme heran, um aktiv eine Lösung dafür zu suchen. Selbstgespräche steigern also auch die Leistung und helfen, Probleme schneller und besser zu lösen.

Selbstgespräch – richtiger Umgang mit dem inneren Kritiker

Wie schon erwähnt, entscheiden Inhalt und Qualität darüber, wie ein Selbstgespräch wirkt. Wer wertschätzend und geduldig mit sich selbst spricht, der wird sich gestärkt fühlen und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Auch Menschen mit Depression, zwanghaftem Verhalten oder Ängsten führen regelmäßig innere Gespräche, die jedoch meist demotivierend und sich selbst gegenüber abwertend sind.

Doch auch hier kann mit dem inneren Dialog gearbeitet werden. Gerade in der Psychotherapie wird dieser genutzt, um ein niedriges Selbstwertgefühl zu stärken und zu mehr Selbstvertrauen zu gelangen. Dabei wird erst einmal genauer auf den Inhalt der Selbstgespräche geachtet, um anschließend eine Kommunikation zu üben, die wertschätzend ist. Damit werden Ängste abgebaut und Blockaden gelöst. Diffuse Gedanken werden ausgesprochen oft sehr klar, damit sind die Gespräche meist die Eingangstür zur Lösung eines Problems.

„Gedanken wollen oft - ähnlich wie Kinder und Hunde -, dass man mit ihnen im Freien spazieren geht.“ Christian Morgenstern

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Intuitive Fotografie Köln, Christian Kasper Fotograf München
Lektorat: Friederike Klingholz München

Kommentare (3)

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Ich stimme diesem Artikel voll und ganz zu. Besonders wenn ich weiß, dass eine stresssituation auf mich zukommt übe ich diese situation unbewusst in dem ich in meiner wohnung auf und ab gehe und selbstgespräche führe stille wie auch laute.. ich...

Ich stimme diesem Artikel voll und ganz zu. Besonders wenn ich weiß, dass eine stresssituation auf mich zukommt übe ich diese situation unbewusst in dem ich in meiner wohnung auf und ab gehe und selbstgespräche führe stille wie auch laute.. ich denke über etwas nach und es platzen kommentare laut heraus. So werde ich auch agressionen los und kann stress abbauen, so beschipfe ich meinen spiegel und sieh mir dabei zu und kann danach die "richtige Stresssituation" viel gelassener angehen, auch weil ich selbst nicht gerne beschipft werde und dann genau sehe wie ich in dem moment wirke, und dieses verhalten möchte ich dann doch lieber nicht an den tag legen oder anderen zumuten. Ich habe eine bipolare störung, wenn ich unvorbereitet bin kommen zum teil agressionen(welche nicht unbedingt von der krankheit ausgelöst werden) einfach zum falschen zeitpunkt raus und gespräxhe können recht heftig ausfallen und respektlos.

Darum sage ich Ja, selbstgespräche zu führen machen mich zu einem besseren menschen

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Kommentar zuletzt bearbeitet am vor 2 Monaten von Ulrike Fuchs Ulrike Fuchs
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Hallo,
ich habe heute von meinem Chef, für alle Kollegen lesbar, die Regel aufgestellt bekommen, keine Selbstgespräche mehr zu führen. Ich bin Borderliner mit einer bipolaren Störung. Dazu extrem auditiv. Wenn ich Gedanken nicht laut ausspreche,...

Hallo,
ich habe heute von meinem Chef, für alle Kollegen lesbar, die Regel aufgestellt bekommen, keine Selbstgespräche mehr zu führen. Ich bin Borderliner mit einer bipolaren Störung. Dazu extrem auditiv. Wenn ich Gedanken nicht laut ausspreche, bleiben sie, werde ich sie nicht los und kann nicht weiter arbeiten.

Wie soll ich mich verhalten. Ich organisiere so mich und meinen ganzen Tag. :(

Vielen Dank für eine Antwort
Herzliche Grüße
Eva

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Hallo liebe Eva,
wenn ich Sie richtig verstehe, helfen Ihnen die Selbstgespräche, sich selbst zu sortieren und organisieren. Dabei nehme ich an, dass diese Gespräche für andere hörbar sind, weshalb überhaupt diese Regeln aufgestellt wurden.
Eine...

Hallo liebe Eva,
wenn ich Sie richtig verstehe, helfen Ihnen die Selbstgespräche, sich selbst zu sortieren und organisieren. Dabei nehme ich an, dass diese Gespräche für andere hörbar sind, weshalb überhaupt diese Regeln aufgestellt wurden.
Eine Möglichkeit wäre beispielsweise zukünftig diese Gespräche leise, quasi in Gedanken, zu erzählen. So können Sie Ihre Gedanken ordnen und die Kollegen werden nicht weiter gestört. Eine weitere Möglichkeit wäre auch Tagebuch oder Notizen zu schreiben, auch das hilft beim Sortieren und Ordnen der eigenen Gedanken. Probieren´s Sie einfach mal aus!
Herzliche Grüße, Ulrike Fuchs

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