Ulrike Fuchs

Psychotherapie und Paartherapie, München, Planegg, Martinsried - Ulrike Fuchs

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Schadenfreude

Selbstwert und Schadenfreude

In vielen Wertesystemen ist Schadenfreude ein geächtetes Gefühl. Dennoch scheint es eine wichtige Rolle im sozialen Miteinander zu spielen. Jeder kennt das Gefühl von Schadenfreude. Warum aber ist es notwendig? Und wie stärkt es den Selbstwert?

Was ist Schadenfreude?

Als Schadenfreude wird die Freude über ein Unglück, Pech oder das Missgeschick anderer bezeichnet. Auf der ganzen Welt gibt es Schadenfreude, jedoch findet sich nicht in jeder Sprache eine geeignete Übersetzung. Darum gibt es das Wort „Schadenfreude“ als deutsches Lehnwort u.a. im Englischen, Italienischen und Polnischen. Ob Schadenfreude in deutschsprachigen Ländern nun häufiger vorkommt als woanders, bleibt offen.

Fakt ist, dass Schadenfreude heimlich oder offen ausgedrückt werden kann. Heimliche Schadenfreude wird nur als „irgendwie fair“ empfunden. Der offenen Schadenfreude begegnen wir beispielsweise in der Ironie, im Spott oder Sarkasmus und wirkt meist erheiternd. Weitere Formen sind die Satire oder das Kabarett, bei dem die Schadenfreude offen ausgedrückt wird.

Schadenfreude hat zudem zwei Gesichter: Sie kann hässlich und verletzend sein, dann empfinden wir sie eher als abstoßend. Oder aber auch froh und heiter, wie beispielsweise am 1. April, an dem wir unsere Mitmenschen ganz offiziell in die Irre führen dürfen. „April, April“ heißt es dann, wenn der Scherz aufgelöst und darüber gelacht wird. Diese harmlose Neckerei unterscheidet sich von der anderen Form der Schadenfreude, die für die Ausgelacht-Werdenden oft eine große psychische Belastung bedeutet.

Warum erfreut uns der Schaden anderer?

Wenn jemand ulkig stolpert, kann uns schnell ein Schmunzeln übers Gesicht huschen. Auch die Unterhaltungsbranche nutzt diesen Effekt der Schadenfreude. Begonnen bei Charlie Chaplin, weiter zu „Verstehen Sie Spaß“ oder „Bitte Lächeln“, endet die Unterhaltung heute beim „Dschungelcamp“, in dem sich Mehr-oder-Weniger-Promis öffentlich blamieren.

Wenn der Pechvogel uns dann auch noch unsympathisch ist, löst das Missgeschick noch größere Schadenfreude aus und erzeugt in uns ein Gefühl der Genugtuung.

Wenn ein Lügner oder Heuchler entlarvt wird, freuen wir uns darüber. Auch wenn wir nicht einmal von dem Schaden des anderen profitieren, schüttet unser Gehirn Glückshormone aus. Wichtig ist nur, dass auf persönlich empfundene Ungerechtigkeit Gerechtigkeit folgt. Für die ausgleichende Gerechtigkeit müssen wir selbst nichts aktiv beitragen. Das macht unser Gewissen rein und lässt uns gut fühlen.

Jeder empfindet Schadenfreude anders. Wie offen Schadenfreude ausgedrückt werden kann, variiert je nach gesellschaftlicher, ethischer sowie religiöser Norm.

Wie wirkt Schadenfreude auf uns?

Pein und Schamgefühle

Weil schadenfreudige Menschen auf der Beliebtheitsskala nicht sonderlich weit oben angesiedelt sind, schämen wir uns zumeist für unsere eigene Schadenfreude. Schließlich wollen wir unseren Mitmenschen nichts Schlechtes wünschen.

Aus dem Schaden anderer lernen

Schadenfreude ist ein wichtiges Gefühl. Denn wenn jemand einer unangenehmen oder leidvollen Situation ausgesetzt ist, wird dieses Empfinden von uns wahrgenommen und abgespeichert. Nach dem Motto: „Schaden macht klug.“

Anders als beim Mitgefühl, bei dem wir auch das Leid unserer Mitmenschen empfinden, ist Schadenfreude ein Gefühl, was Distanz wahrt. Beim Mitgefühl entsteht Nähe, wir möchten möglicherweise sogar helfen. Das kann, je nach Situation aber auch gefährlich werden, weil wir uns dann unter Umständen mitten im Geschehen wiederfinden. Schadenfreude ist somit ein bedeutendes Gefühl, was uns vor Gefahren schützt.

Schadenfreude beruhigt

Es wirkt beruhigend, wenn auch anderen Menschen ein Missgeschick passiert. Im gesellschaftlichen Optimierungswahn vergessen wir manchmal, dass die Perfektion nur eine andere Form der Angst ist – Angst, mal einen Fehler zu machen. Wenn wir sehen, dass auch bei anderen etwas schiefgehen kann, rückt dies unser Bild, alles müsse immer perfekt sein, wieder etwas gerade. Das beruhigt und entspannt uns.

Schadenfreude stärkt den Selbstwert

Wenn wir gekränkt werden, erzeugt das oft Minderwertigkeitsgefühle. Wir fühlen uns womöglich zurückgewiesen, missverstanden oder abgelehnt. Selbst dem coolsten Hund rüttelt das empfindlich am Selbstwert, wenn andere ihn abwerten. Wenn dann Ungerechtigkeiten aufgedeckt werden, öffentlich beispielsweise durch Presse oder privat durch eine geschwätzige Freundin, empfinden wir das Missgeschick des anderen als einen fairen Ausgleich – es „bestraft“ den Peiniger, ohne dass wir selbst etwas dazu tun und das baut den eigenen Selbstwert wieder auf.

Belohnung und Unterhaltung

Auch wenn es bei dem einen oder anderen Bauchweh erzeugt: Untersuchungen ergaben, dass bei Schadenfreude eine erhöhte Aktivität im Belohnungszentrum des Gehirns zu beobachten ist. Obwohl wir keine direkte Belohnung erhalten, erfreuen wir uns an dem Missgeschick eines anderen, als gäbe es ein Geschenk. Schadenfreude stärkt, unterhält und wirkt psychisch entlastend. Was früher der Hofnarr auslöste, übernehmen heute Kabarettisten, und eine Gesellschaft lacht – voller Schadenfreude.

Sozialer Vergleich

Wetteifern und gegenseitiges Kräftemessen ist wohl ein Überbleibsel der Evolution. Mal mehr, mal weniger stehen wir im ständigen Vergleich mit unseren Mitmenschen. Schadenfreude ist auch eine Form des Sich-Vergleichens. Wer sich aber immer nur nach anderen richtet, hat sich selbst verloren. Damit fehlt auch ein wichtiger Schlüssel zum Glück, denn wem der Zugang zu sich selbst fehlt, der weiß oft selbst nicht, was er will und braucht. Wie auch!?

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Was hilft im Umgang mit der Schadenfreude?

Schadenfreude ist verräterisch: Es zeigt, wie es um das Selbstwertgefühl des Schadenfreudigen steht. Zeitgleich bringt die eigene Schadenfreude dazu, zwar den Schaden des anderen heimlich zu genießen, aber das ist nur eine Konfliktvermeidung, denn die empfundene Ungerechtigkeit wird somit nicht angesprochen und damit wird eine echte Lösung des Konflikts vermieden. Diese Passivität wirkt sich negativ auf das Selbstwertgefühl des Schadenfreudigen aus. Hier gilt es, selbst (wieder) aktiv zu werden und aus der vermeintlichen Hilflosigkeit herauszutreten. Dabei kann es helfen, sich über Ungerechtigkeiten bewusst zu werden und diese offen anzusprechen.

Zusätzlich ist es empfehlenswert, das Selbstwertgefühl grundsätzlich wieder zu stärken und sich selbst so anzunehmen wie man ist. Das ist nicht immer leicht. Die angenehmen Charaktereigenschaften mögen wir alle an uns. Aber was ist mit den Schwächen? Wie kann man diese annehmen? Akzeptieren? Lieben?

Haben Sie Fragen oder möchten Sie sich im Umgang mit der Schadenfreude beraten lassen, vereinbaren Sie einfach einen Termin mit mir. Ich unterstütze Sie gerne.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
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Foto: Christian Kasper Fotograf München
Lektorat: Friederike Klingholz München
Grafik: Ulrike Fuchs München

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