Coachs und Trainer empfehlen: aufhören zu jammern und raus aus dem Jammertal. Dazu habe ich mich mal auf die Suche begeben, um zu erfahren, wo das Jammertal denn eigentlich genau liegt. Und wo sollte es anders zu finden sein, als in Deutschland (dem Land, indem scheinbar gern gejammert wird). Um genauer zu sein, liegt das Jammertal am Rande des Ruhrgebietes zwischen Essen und Münster.

Ja, sogar Wellness wird dort angeboten. „Klasse Idee“, dachte ich mir, „Wellness im Jammertal“ oder was Jammern noch alles bewirken kann!?

Aber ist denn Jammern von Grund auf etwas Schlechtes oder gar Unnützes? Etwas, das wir vermeiden sollten? Oder hat es nicht vielleicht doch einen Grund? Schauen wir uns das Jammern mal genauer an, denn Jammern kann auch gesund sein…

 Wellness im Jammertal oder warum Jammern gesund sein kann!?

Was bedeutet Jammern?

Ein Blick in den Duden verrät: Jammern wird als ein Klagen bezeichnet, um Schmerz oder Unzufriedenheit auszudrücken. Zeitgleich erregt ernstgemeinter Kummer im sozialen Umfeld oft Mitleid. Dagegen erzeugt unzufriedenes Rumnörgeln eher Ablehnung.

Das Fremdwörterbuch erklärt: Kinder jammern nach Mama, Katzen nach Nahrung.

Und sind wir ehrlich, dieser Ruf sichert das Überleben, denn es zeigt ein Bedürfnis auf, bei dem Hilfe benötigt wird.

Bei all dem Katzenjammer wollte ich es genauer wissen: Katzen miauen nicht nur, wenn sie Hunger haben, sondern auch, wenn ihnen etwas Schmerzen bereitet, ihnen Aufmerksamkeit fehlt, manchmal aber auch aus Aufregung oder Langeweile. Manche Katzen jammern mehr, andere weniger, je nach Charakter und Lebenserfahrung.

Ist der Mensch der Katze so fremd? Zumindest was das Jammern betrifft, sind diverse Parallelen zu erkennen. Auch wenn Jammern manchmal der Langeweile oder Unterforderung entspringt, drückt es gleichermaßen immer auch Unbehagen, Unwohlsein oder Schmerz aus.

Deutsche jammern zu leise!

Die Deutschen sind laut einer Studie der EU-Kommission Weltmeister im Jammern. Demzufolge sehen 70 Prozent der Deutschen ihre Zukunft pessimistisch. Auch wenn Deutsche gerne jammern, sind sie dennoch oft viel zu still, denn jammern ist gesellschaftlich unattraktiv und sehr unbeliebt.
Wenn beispielsweise im südeuropäischen Raum jemand stirbt, ist das Klagen der Angehörigen und Freunde laut und theatralisch.

Lautes Jammern hat durchaus auch seine Vorteile: Es entlastet und schafft unter den Trauernden ein Gemeinschaftsgefühl. Das schafft Nähe und stärkt das soziale Miteinander.

Im Vergleich hat das leise Jammern gravierende Nachteile: Das latente Nörgeln unterdrückt nur kurzfristig die düsteren Gedanken und Gefühle, sie werden nicht gelöst und bleiben damit erhalten. Das zieht den Jammerer weiter runter und noch dazu reagiert das soziale Umfeld in der Regel genervt bis abstoßend. Damit ist der Frust auf beiden Seiten vorprogrammiert.

Gemeinsames Jammern kann also verbinden – jedoch nur Gleichgesinnte: Jeder kennt das Gefühl, wie gut es einem Team bekommen kann, gemeinsam über interne Firmenstrukturen herzuziehen.
So kann Leid vereinen und den Team-Geist stärken.

Jammern wirkt aber ausgrenzend, wenn einer jammert und der andere den Grund weder erkennt noch versteht. In Partnerschaften ist dieses Phänomen oft zu beobachten.
Beispielsweise kann ihr Satz: „Immer bist du mit deinen Kumpels unterwegs“ im Grunde bedeuten: „Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Zeit miteinander verbringen.“ Weil das jedoch nicht klar ausgesprochen wird, kommt es beim Partner eher als Zickerei an und nicht als „Ich wünsche mir Nähe mit dir“.

Warum kann jammern gesund sein?

Manchmal tut es einfach gut, unzensiert zu jammern und sich damit von inneren Druck zu befreien. Die Aufmerksamkeit und Zuwendung der anderen, sei es bewusst oder unbewusst, wirkt bei jedem ähnlich: Es sind kleine seelische Streicheleinheiten. Das erzeugt ein Gemeinschafts- und Geborgenheitsgefühl, was besonders Menschen mit geringem Selbstwertgefühl sehr gut bekommt.

Im seelischen Jammertal spürt der Mensch, was ihm wirklich fehlt und was sich verändern muss. Der Schmerz kann somit auch als Geburtsstunde einer positiven Richtungsänderung verstanden werden. Jammern zeigt einen Missstand auf und hilft dabei, aktiv nach neuen Lösungswegen zu suchen.
Das Jammern kann ein Weg zur Selbsterkenntnis sein.

Jammern kann aber auch reiner Selbstschutz sein: Wer beispielsweise regelmäßig um sein gutes Gehalt beneidet wird, jammert sicherheitshalber von den vielen Überstunden und den schlechten Arbeitszeiten. Das relativiert den Verdienst, hält Neider in Zaum und vermindert unangenehme Reaktionen.

Was tun, wenn Dauer-Jammerer nerven?

Manchmal starten sogar richtige Jammerduelle, wer den schlimmeren Ehemann oder den gemeineren Chef hat. Ein Kampf um Aufmerksamkeit. Die Sehnsucht nach Anerkennung macht die innere Einsamkeit deutlich.

Wer sich gemütlich festjammert und bequem die Zuwendung der anderen einsammelt, braucht nichts ändern. Er umgeht es, sein Leben selbst aktiv zu gestalten. Das nervt und erzeugt beim Umfeld, zu Recht, die Angst, von Jammerern für das Mitgefühl benutzt oder gar manipuliert zu werden.

Was können Sie tun, um sich vor Dauer-Jammerern zu schützen?
Ganz wichtig im Umgang mit Dauer-Jammerern ist es, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und auch mal „nein“ oder „jetzt nicht“ zu sagen. Sie können ebenso gut auch „feste Jammerzeiten“ vereinbaren, in denen unzensiert und frei gejammert werden darf. Achten Sie aber dabei auf ein ausgewogenes Verhältnis (jeder darf gleich viel jammern).

Danach wird konstruktiv selektiert:
Was darf sich verändern?
Was kann jeder selbst dazu beitragen?
Woran genau ist das ursprüngliche Vorhaben gescheitert?

Fazit

Wenn schon Jammern, dann bewusst! Wie so oft macht aber die Dosis das Gift; so ist Jammern in feinen Einheiten und unter angemessenen Rahmenbedingungen durchaus sehr heilsam und konstruktiv. Es zeigt auf, was sich ändern muss, damit es am Ende gut wird. Somit entschlüsseln sich versteckte Botschaften und der Weg zur Selbsterkenntnis wird frei. Und das kann es nur, wenn wir uns dabei stets fragen:

„Warum jammere ich genau?
Wegen was muss ich mir Luft verschaffen?
Was kann ich ändern? Wie gehe ich konkret vor?“

Oder, wie Oscar Wilde es ausdrückte: „Unzufriedenheit ist der erste Schritt zum Erfolg.“

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München, Intuitive Fotografie Köln
Lektorat: Friederike Klingholz München

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