„Merkel verhält sich bei Griechenland schizophren“, erklärt eine Zeitung die Politik. Und ein Fußballtrainer kommentiert das schlechte Spiel seiner Mannschaft mit: „Es klingt schizophren, aber wir haben gut trainiert.“

Das Wort „schizophren“ scheint sich vom medizinischen Ursprung gelöst zu haben. Es wird längst als Metapher benutzt für etwas, was ambivalent oder absurd wirkt. Schizophren (von altgriechisch: schizien = spalten, phren = Seele) suggeriert eine gespaltene Persönlichkeit, jedoch hat Schizophrenie mit „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ nichts zu tun. Als der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler den Begriff Schizophrenie prägte, hatte er im Sinn, dass die Erkrankung das Denken, Fühlen und Wahrnehmen beeinflusst.

Typisch Schizophrenie? Blog über Schizophrenie

Schizophrenie – die Wunde der gesellschaftlichen Ablehnung

Schizophrenie wird immer abwertend und negativ benutzt. Verständlicherweise verursacht die klinische Diagnose Schizophrenie oft Angst und Schrecken bei Betroffenen und Angehörigen. Neben der Erkrankung müssen diese zusätzlich lernen, mit Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Diskriminierung umzugehen. Das gesellschaftliche Stigma wirkt für sie wie eine zweite Krankheit.
Grund genug, mit Wörtern wie „schizophren“ und „Schizophrenie“ etwas bewusster und sorgfältiger umzugehen.

Anders als oft dargestellt, ist Schizophrenie nicht nur eine Störung des Denkens, vielmehr noch beeinträchtigt sie das Gefühlsleben des Betroffenen erheblich. Schizophrene leiden an Depressionen, manischer Heiterkeit, Distanzlosigkeit oder auch Affektverflachung, bei der auf emotionale Erlebnisse kaum oder gleichgültig reagiert wird.

Wer ist schizophren?

Weltweit leidet etwa 1% der Bevölkerung an Schizophrenie. Das sind genauso viele Menschen, wie jene, die dauerhaft aufgrund eines Sturzes eingeschränkt sind.

Schizophrenie kann in jedem Lebensalter beginnen. Männer erkranken durchschnittlich ca. fünf Jahre früher als Frauen. Die Ersterkrankung bei Männern liegt zwischen 18 und 25 Jahren, bei Frauen zwischen 23 und 30 Jahren.

Schatten auf der Seele, Heilpraktiker für Psychotherapie

Was ist typisch für Schizophrenie?

Schizophrenie erscheint in so vielen Varianten mit teils sehr unterschiedlichen Symptomen. Psychiater untergliedern sie meist in Positiv- und Negativsymptome, welche gleichzeitig vorhanden sein können, aber nicht müssen.

Für die Diagnose Schizophrenie müssen verschiedene Symptome mindestens 6 Monate anhalten und das Sozialleben oder die berufliche Leistung deutlich beeinträchtigen. Andere Ursachen wie Drogenkonsum oder organische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden.

Erste Anzeichen – Vorstadium

Schizophrenie scheint meist aus heiterem Himmel zu beginnen. Jedoch zeichnen sich bei drei Viertel der Erkrankungen lange vor der akuten Krankheitsphase Symptome ab, die zunächst unspezifisch sind:

  • gedrückte, depressive Stimmung
  • Ängste, Unruhe
  • verminderter Antrieb
  • abnehmende Belastbarkeit
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung
  • Schlafstörungen
  • sozialer Rückzug

Dieses Vorstadium dauert oft mehrere Jahre. Die Symptome werden zu wenig ernst genommen, denn sie sind zu ungenau und können viele verschiedene Ursachen haben, beispielsweise Depression. Dennoch sind Betroffene in dieser Zeit deutlich beeinträchtigt: Es fällt ihnen schwer am „normalen“ Leben teilzunehmen, haben Probleme, Freundschaften zu schließen, meiden soziale Kontakte sowie Teamarbeit. Nicht selten sind im Lebenslauf Schulprobleme und Abbrüche in der Ausbildung zu verzeichnen. Probleme in der Partnerschaft stehen auf der Tagesordnung.

Weil Schizophrenie oft gar nicht oder zu spät erkannt wird, lässt eine geeignete Therapie auf sich warten. Dies kann sich wiederum ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Positivsymptome bei Schizophrenie

Als Positivsymptome bezeichnet man starke Fehlinterpretationen des normalen Erlebens bis zu chronischen Halluzinationen. Sie können unterschiedlich ausgeprägt sein, je nach Form und Schwere der Erkrankung.
Positivsymptome treten meist in akuten Phasen auf und lassen sich medikamentös relativ gut behandeln:

  • Sinnestäuschung: Es kommt zu Halluzinationen. Das bedeutet, Betroffene hören Stimmen (zum Beispiel aus dem ausgeschalteten Radio), die ihr Verhalten kommentieren oder etwas befehlen. Betroffene sehen, riechen oder schmecken Dinge, die nicht vorhanden sind. Zum Beispiel riechen frische Erdbeeren nach Verwesung oder auf der Tapete tanzen bunte Männchen.

    Die Wahrnehmung eines Schizophrenen kann von der Realität stark abweichen. Betroffene wirken oft verwirrt, distanziert, ängstlich oder seltsam entzückt.
  • Wahnvorstellung: Nicht selten haben Menschen mit Schizophrenie Wahnvorstellungen. Ohne erkennbaren Grund haben sie das Gefühl, dass andere über sie reden, ihnen böses wollen oder dass der Nachbar sie bedroht. Im Wahn sind Schizophrene davon überzeugt, dass sie verfolgt, überwacht oder fremdgesteuert werden. Auch die zwanghafte Vorstellung, an einer gefährlichen Krankheit zu leiden, oder Größenwahn sowie Verschwörungstheorien können mit Schizophrenie einhergehen.
  • Ich-Störung: Eigene Gedanken werden als fremd (oder von außen gemacht) wahrgenommen und nicht als eigene Gedanken. Manchmal entsteht auch das Gefühl, dass eigene Gedanken weggenommen oder von außen entzogen werden. Und wiederum andere Patienten meinen, ihre Gedanken wären laut hörbar oder würden sich ausbreiten, sodass Außenstehende (weiteren) Einfluss auf diese nehmen könnten.
  • Gestörte Denkabläufe: Gedanken geraten immer wieder durcheinander bzw. ins Stocken oder reißen plötzlich ab. Einzelne Gedankengänge blitzen abrupt auf und stören den Gedankenfluss. Schizophrene denken und reden „zerfahren“ und wirken oft sprunghaft, wirr und unlogisch. Sie verlieren den roten Faden, weil zusätzliche Gedankenabläufe reingrätschen. Was wichtig und unwichtig ist, das fällt dem Schizophrenen schwer zu unterscheiden.

Negativsymptome bei Schizophrenie

Als Negativsymptome oder Minussymptome bezeichnet man die Einschränkung des normalen Erlebens. Gekennzeichnet ist die Minus-Symptomatik durch einen Wegfall einst vorhandener Persönlichkeitsmerkmale.
Anhaltende Negativsymptome sind dagegen schwieriger zu behandeln, machen den Patienten sehr zu schaffen und treten oft nach der akuten Phase auf:

  • Veränderung von Stimmung: Menschen mit Schizophrenie wirken einerseits schnell reizbar, andererseits seltsam gleichgültig, desinteressiert, apathisch und oberflächlich. Die Stimmung ist gedrückt. Betroffene leiden sehr darunter, dass ihnen alles bedeutungslos scheint und nichts mehr von dem Freude bereitet, was früher Spaß machte. Sie sprechen monoton und sind mimisch wie versteinert.

    Manchmal verspüren sie gleichzeitig nicht miteinander vereinbare Gefühle, wie beispielsweise Wut und Freude; Liebe und Hass.

  • sozialer Rückzug: Weil die Welt „da draußen“ so anders ist als das eigene Empfinden, kapseln sich Schizophrene oft von der Umwelt ab. Sie unterliegen starken Abwehrmechanismen und reagieren nicht selten misstrauisch auf ihre Mitmenschen. Selbst enge Freunde und Familienangehörige (auch die eigenen Kinder) weisen sie von sich.
  • Aufmerksamkeit, Konzentration und Interesse sind meist gemindert. Problemaufgaben können dadurch nicht mehr gelöst werden. Es entsteht schnell das Gefühl der Überforderung.
  • hohe Ermüdbarkeit: Schizophrene Menschen wirken meist antriebslos, erschöpft und körperlich schwach. Ohne größere Aktivitäten verkriechen sich Betroffene tagelang im Haus, ohne einen Schritt vor die Tür zu wagen. Die notwendige Hygiene wird dabei oft vernachlässigt.

  • Starre: Bei der seltenen katatonen Schizophrenie erleben Betroffene Anspannung, Erstarrung, Bewegungslosigkeit, das geht bis zum Nicht-mehr-sprechen-können (Mutismus), dem Einhalten von bizarren Körperhaltungen oder dem zwanghaftem Nachahmen von Bewegungen.

  • Verhalten: Innere Unruhe und Getriebensein plagen Menschen mit Schizophrenie. Sie wirken ratlos und übererregt. Die äußere Fassade scheint nicht zum inneren Erleben zu passen: Sie lachen und sind fröhlich, obwohl Trauer angebracht wäre. Das Lachen wirkt dann blechern, hart und aufgesetzt. Auch plötzliches Weinen tritt auf. Der Affekt und die Impulskontrolle sind nur schwer bis gar nicht zu regulieren.

    Leben mit Schizophrenie, Psychopharmaka, Psychotherapie

Folgenschweres Erbe oder Umwelteinflüsse?

Nach heutigen Erkenntnissen ist über die Entstehung von Schizophrenie noch vieles unklar. Vermutet wird ein Zusammenhang zwischen mehreren Faktoren:

  1. genetische Veranlagung: Eine erblich bedingte Veranlagung spielt bei der Entstehung von Schizophrenie eine Rolle; sind Mutter oder Vater schizophren, haben deren Kinder ein bis zu 15-fach höheres Risiko an Schizophrenie zu erkranken.

  2. veränderte Gehirnstruktur: In welchem Ausmaß die veränderten Gehirnstrukturen (Vergrößerung oder Verkleinerung bestimmter Hirnregionen) Einfluss auf Schizophrenie haben, ist noch fraglich.

  3. Dopamin und Serotonin: Bei Schizophrenie konnte ein Überschuss bzw. Mangel an sogenannten Neurotransmittern, Dopamin und Serotonin, nachgewiesen werden. Neurotransmitter ermöglichen die Kommunikation zwischen den Nervenzellen im Gehirn.

  4. vor der Geburt: Untersuchungen belegen, dass auch Entwicklungsstörungen vor der Geburt Schizophrenie mitbedingen können.

  5. Lebensereignisse: Emotional belastende Erlebnisse, dauerhafte Beziehungsprobleme, innerfamiliäre Konflikte, verwirrende Kommunikationsmuster (Doppelbindungstheorie), Bindungsstörungen oder Gewalterlebnisse können toxischen Stress auslösen, der Schizophrenie begünstigt.

  6. Drogen: Drogen wie Kokain, Haschisch oder LSD, auch Alkohol, können Schizophrenie früher zum Ausbruch bringen und den weiteren Krankheitsverlauf verschlechtern.

Heilungschancen bei Schizophrenie

Viele Irrtümer und Vorteile ranken sich um die Diagnose Schizophrenie. So verbreiten auch seriöse Medien, dass die rätselhafte Erkrankung unheilbar sei. Das ist falsch, Schizophrenie ist grundsätzlich heilbar. Bleuler und LucCiompi veröffentlichten einige Fallstudien, in denen sich ergab, dass ein Drittel geheilt wurde, bei einem weiteren Drittel war eine deutliche Verbesserung der Symptomatik zu verzeichnen und nur ein Drittel blieb chronisch an Schizophrenie erkrankt.

Weit verbreitet ist auch der Irrglaube, dass Psychopharmaka wie Neuroleptika oder Antipsychotika abhängig machen würden oder gar schädlich seien. Dabei helfen sie, gerade in der akuten Phase bei 80% der Betroffenen, die quälenden Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen zu mildern.

Wahr ist leider, dass Neuroleptika unangenehme Nebenwirkungen besitzen, gerade bei höheren Dosen. Deshalb wird ein verantwortungsbewusster Psychiater nur die Dosis verabreichen, die notwendig ist. In der modernen Therapie versucht man, Medikamente sehr zurückhaltend zu geben. Immer häufiger wird dadurch die Psychotherapie unterstützend eingesetzt, um die Heilungschancen zu erhöhen und Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Psychotherapie, so ergaben Studien, hilft, die Diagnose besser zu verarbeiten, im Alltag leichter mit Stress umzugehen und besonders Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen zu lindern.

Hilfe für Familie, Freunde und Angehörge von Schizophrenen

Reine Nervensache für Familie und Freunde

Die Nerven der Familie oder Freunde liegen oft blank, wenn ein Angehöriger an Schizophrenie erkrankt ist. Manche Menschen mit Schizophrenie lehnen Therapieangebote ab, schließlich empfinden sie selbst sich nicht als „krank“. Es bringt jedoch nichts, sie zu einer Therapie zu zwingen.
Schizophrene können nur Unterstützung erfahren, wenn sie das selbst auch möchten. Erst dann kann man ihnen geeignete Behandlungsmethoden anbieten.

Des Weiteren sollte vermieden werden, einen Schizophrenen auf seine Wahnvorstellungen und Halluzinationen anzusprechen. Besser ist es, die Ängste und Sorgen ernst zu nehmen. Dabei helfen Fragen wie:

  • Kann ich dir helfen? Wenn ja, wie?
  • Soll ich etwas zur Seite gehen?
  • Ist dir das im Moment zu nah?

Auch für Angehörige kann es enorm entlastend sein, psychologische Beratung aufzusuchen. Dabei werden Alltagssituationen besprochen und praktische Tipps zum Umgang mit dem Schizophrenen gegeben; auch das eigene seelische Gleichgewicht wird damit wieder hergestellt.

Herzlichst, Ihre Ulrike Fuchs
Paarberaterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie

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Foto: Christian Kasper Fotograf München , Intuitive Fotografie Köln
Lektorat: Friederike Klingholz München

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